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Credit: Klinik der Brustkrankheiten / von Hermann Lebert. Source: Wellcome Collection.
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![nach vollkommener Ruhe bewerkstelligt wird, während die Erkältung nach Erhitzung mit starker vorheriger Bewegung, oft mit Atheni- oder Stimmanstrengung erfolgt. Die blosse Störung der Hautfunction erklärt übrigens an und für sich die Erkältung auch nicht. Man kann Thiere durch lleber- tirnissen, durch Unterdrückung der Hautfunction tödten, ohne bei ihnen einen Katarrh hervorzubringen. Kommen wir aus der heissen Ebene in kühle Gebirgsluft mit oder ohne KÜberanstrengung, so er- kälten wir uns gewöhnlich nicht, wenn nicht andere Schädlichkeiten hinzukommen. Treten nach heissen Tagen sehr kühle ein, ohne dass wir uns wärmer kleiden, so wird die Urinsecretion sehr vermehrt, ohne dass wir Katarrhe bekommet], und die Nieren übernehmen einen Theil der Wasserausscheidung der Haut. Man hat nun, und gewiss nicht mit Unrecht, behauptet, dass bei der Erkältung eine rasche Störung der vasamotorischen Nerven von der äussern Haut das Blut entferne nnd nach inneren Theilen hinleite. Es mag dies ein gewiss sehr wichtiges Element sein, ist aber immerhin ein noch hypothetisches, und in seinen Wirkungen nicht besser gekanntes, als die sonstigen Erklärungsweisen der Erkältung. Sollen wir nun den ungenügenden Hypothesen eine neue hinzufügen, und sagen: es wird zuerst eine Congestion nach den Schleimhäuten hervorgerxtfen, daun in die Blut- masse ein pyrogenes Element geworfen, dann auf den Schleimhäuten mehr als eine Congestion, eine wirklich gestörte Diosmose bedingt; so drücken wir eigentlich nur die linkten Thatsachen in etwas dunk- lerer und prätentiöserer Form aus, ohne neue und fruchtbringende Be- griffe und Theorien hinzuzufügen ; wir modernisireu nur die Materia peccans der Alten durch Tagesphrasen. Die Erkältung ist also zwar häutige 1 rsaehe des Katarrhs, wie sie aber wirkt, können wir heute noch nicht genügend erklären. Für das Yerständniss der eigenthümlichen Entstehung des Ka- tarrhs hat man auch oft von individueller Prädisposition gesprochen und diese in Neigung zu Erkältung gesucht und zwar wegen zarter, feiner Haut und mehr lymphatischer Anlage. Die Thatsache ist richtig, dass nicht wenige Individuen sich viel leichter und öfter er- kälten als andere, ich habe dies aber eben so oft bei dunklem Haar und stark pigmentirter Haut als bei blondem Haar und feiner Haut beobachtet, und auch keinen Zusammenhang mit dem Lvmphsystem irgendwie constatiren können. Es ist richtig, dass allgemeine Schwäche die Möglichkeit der Erkältung steigert. Wie sehr individuelle, wohl auch zeitenweise gesteigerte Präsdisposition einwirken kann, zeigt, dass trotz der gewöhnlich günstig und abhärtend wirkenden Hydro- pathie , dennoch einzelne sehr an sie Gewöhnte nicht selten an selbst hartnäckigen Katarrhen leiden. Auch die örtliche Schwäche,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21917644_0001_0031.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)