Das Grosshirn der Papageien in anatomischer und physiologischer Beziehung / von Otto Kalischer.
- Kalischer, Otto.
- Date:
- 1905
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Credit: Das Grosshirn der Papageien in anatomischer und physiologischer Beziehung / von Otto Kalischer. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![direkte Scliädigiing des benachbarten Mesostriatnms zuriickfiibren, welches, wie wir gleich sehen werden, von so großer Bedeutung für den Sprechvorgang sich erwies. Wie sich nämlich im Laufe der Untersuchung eigab, war vornehmlich die Verletzung des in der Gegend der sylvischen Furche gelegenen Teiles des Mesostriatums von aus- gesprochenen und charakteristischen Störungen für das Sprechen begleitet. Es sei hier zunächst das klinische Bild der ein- und doppelseitigen V^erletzung dieser Gegend geschildert. Die operative Schädigung dieses Bezirkes zog wohl auch Störungen der Bein- bewegung und des Freßvorganges nach sich; aber erst dann, wenn die \'^erletzung in er- heblicherer Ausdehnung vorgenommen worden war. Um dauernde Sprechstörungen hervor- zurufen, reichten schon so geringe, doppelseitige Schädigungen aus, daß andere ?unktions- störungen gar nicht oder nur voriibergehend aufzutreten brauchten. Nach der einseitigen Verletzung stellten sich, gleichviel auf welcher Seite die Operation ausgeführt war, die alten Worte alsbald wieder ein, ohne daß man sie von neuem vorges])r<)chen iiatte. Der Papagei lernte auch neue Worte zu und bot im iibrigen keine \'eränderung dar. Diese für die Sprechversuche so wichtige Verletzung hatte öfter für die opei'ierten Tiere verhängnis- volle Folgen, indem sich von der anscheinend nicht eingreifenden Verletzung aus eine Erweichung des ganzen Mesostriatums einstellte, der die Tiere nach ganz kurzer Zeit, n)itunter schon nach zwei Tagen, unter zunehmenden Lähmungserscheinungen erlagen. Der schließliche Erfolg der doppelseitigen Oi)eration hing davon ab, in welchem Maße die Exstirpation auf beiden Seiten geglückt war; und es ließen sich danach voll- kommene und weniger vollkommene Versuche unterscheiden. In den weniger gelungenen Fällen kam es, naciidem längere Zeit erhebliche Sprechstörungen bestanden hatten, wieder zu einer mehr oder minder vollständigen Restitution des Spi'echens. Wenn auch in der ersten Zeit nach der zweiten Exstirpation es sich noch nicht genau vor- aussehen ließ, wie weit die Restitution gehen würde, da sich zu Anfang die operierten Pa]»ageien gleich verhielten, so bot sich doch darin ein Anhaltspunkt, daß, wenn die Tiere schon in der zweiten Woche wieder anfingen. Laute von sich zu geben, dies auf den Ein- tritt einer vollkommeneren Restitution hindeutete. Wenn die anfänglichen Spreclistörungen allmählich sich wieder ausglichen, handelte es sich gewöhnlich darum, daß die eine Seite vollkonnnen, die andere unvollkommen operiert war. In der Zeit, in der die unvollkommen operierte Hemisphäre sich erholte, traten die charaktei'istischen Restitutionserscheinungen auf. Die Ai't und Weise, in der sich dieselben vollzogen, habe ich bereits oben geschildert; ich konnte daselbst drei Phasen beim Wiedererlernen der Worte unterscheiden; in der ersten Phase hörten wir den Rhythmus des früher gesj)rochenen Wortes, in der zweiten traten die Vokale wieder auf, und in der dritten kamen nach und nach die Konsonanten wieder zum Vorschein. Doch ließen diese verschiedenen Phasen sich nicht innner deutlich voneinander trennen: sie gingen oft inein- ander über, besonders in den leichteren Fällen, in welchen die Restitution sehr schnell er- folgte. Um hier ein Beispiel zu nennen, so fing ein Papagei, welcher nach der zweiten Operation 2^ Wochen lang keinen Laut von sich gegeben hatte, damit an, zimächst einen dreisilbigen Rhythmus mit dem Tone auf der letzten Silbe hervorzubringen, welcher Rhythmus alsbald an das früher gesprochene Wort »Papagei« erinnerte, etwa ä ä äh, ohne daß jedoch ein bestinunter Vokal dabei hervorklang; es waren nur unbestiunnbare, knurrende Laute zu höi'en. Gleichzeitig machte der Papagei eine nickende Kopfbewegung, wie er sie bei der Aussprache dieses Wortes auch früher gezeigt hatte. Die unbestimmten Laute in diesem Rhythmus machten bald darauf bestimmten Vokalen Platz, welche letztere inuner deutlicher](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21295402_0062.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)