Das Grosshirn der Papageien in anatomischer und physiologischer Beziehung / von Otto Kalischer.
- Kalischer, Otto.
- Date:
- 1905
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Credit: Das Grosshirn der Papageien in anatomischer und physiologischer Beziehung / von Otto Kalischer. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![die den Kopf desselben betraf, gingen die Tiere häufig gegen den vierten oder fünften Tag nach der Ojjeration zugrunde, indem sicli eine Erweichung des ganzen vorderen Mesostriatums anschloß. Während in den ersten zwei bis drei Tagen nach dei- Operation die Tiere noch einen guten Eindruck gemacht hatten, so daß sie schon die Operation überstanden zu haben schienen, zeigte sich am dritten oder vierten Tage plötzlich bei den links operierten Tieren eine stärkere Lähmung des schon anfangs gestörten rechten Beines. Die Lähmung trat von Stunde zu Stunde stärker hervor, das Bein hing voi- dei- Stange herab, die Zehen waren eingeschlagen, oder auch das Tier stand breitbeinig auf dem Boden des Bauers. Der Kopf wurde nach hinten gehalten, seine Drehung war .sichtlich erschwert. Namentlich diese Kopf- haltung und ein kurzer, heiserer Schrei, den der Papagei vernehmen ließ, wenn man sich ihm näherte, waren Zeichen, die das baldige Ende voraussehen ließen. Dem Tode gingen öfter Krämpfe voraus, welche besonders den Kopf betrafen, der immer stärker nach rechts hinten gehalten wurde (Opisthotonus). Trotzdem ein Mesostriatum intakt war, gelangten die Tiere nicht wieder dazu, von selbst zu fressen; man mußte daran denken, daß auch das unverletzte Mesostriatum auf dem Wege der Kommissurenfasern. welche die Köpfe beider Mesostriata verbinden (vgl. S. 24 und den Horizontalschnitt Taf. VI), eine Beeinträchtigung seiner Funktion erfahren hatte. Mit der zunehmenden Lähmung des i'echten Beines war auch das Sehen auf dem rechten Auge schlechter geworden, das Zugreifen von dieser Seite aus fehlte ganz, und auch die Akkommodationserscheinungen, die anfangs noch deutlich waren, ließen sich auf diesem Auge alsbald nicht mehr nachweisen. Anders verhielt sich das linke Auge; näherte man demselben einen Gegenstand von vorn her, z. B. ein Stück Mohrrübe, so erfolgte wenigstens der Versuch des Tieres zuzubeißen. Doch bald hörte auch dies auf, da es dem Tiere weder gelang, den Kopf dem Stücke hinreichend zuzuwenden, noch den Schnabel genügend zu öffnen, um das Stück zu ergreifen. Aber nicht nur die erste Phase des Freßaktes war gestört, auch die zweite ging nicht vonstatten. Selbst in Wasser ge- weichte Semmel, die man ihnen in den Schnabel steckte, })rachten die Tiere meist nicht herunter, sondern ließen sie fallen oder behielten sie. ohne sie zu fressen, im Schnabel. Hatten die Tiere den fünften Tag glücklich überstanden, so blieben sie gewöhnlich nach der ein- seitigen Operation am Leben, und es stellten sich alle Funktionen, besonders das Fressen, in mehr oder minder normaler Weise wieder ein. In den Fällen von doppelseitiger Exstirpation des Mesostriatums, zu denen wir uns jetzt wenden wollen, war zunächst vom Stirnteil des Großhirns aus die angrenzende vordere untere Partie des einen Mesostriatums geschädigt worden; die Papageien hatten — nehmen wir an — das Bild einer einseitigen mittelschweren Mesostriatum Verletzung, das ich eben geschildert habe, dargeboten. Wurde jetzt etwa drei Wochen nach der ersten Operation eine gleiche Exstirpation auf der anderen Seite vorgenommen, so traten Freßstörungen auf, die beide Phasen des Freßaktes betrafen. Das Sym])tomenbild war ein typisches und nur nach der Größe der Exstirpationen etwas verschieden. Ln \'ordergrunde standen die Kopfnick- bewegungen, welche jedesmal eintraten, sooft der Papagei nach einem Gegenstande zugreifen wollte. Der Kopf w>u-de dabei in sagittaler Richtung auf und nieder bewegt, und das Tier war nicht imstande, diesen krampfartigen Bewegungen Einhalt zu tun, die nur für Augenblicke in manchen Fällen aufhörten. Die erste Phase des Freßaktes wurde dadurch auf das empfindlichste gestört. Sowie der Papagei den Kopf zum Futternapfe niederbeugen wollte, um die Sonnen- blumenkerne zu ergreifen oder Wasser zu trinken, begannen die Nickkrämpfe von neuem, die manchmal so stark wai'en, daß der Kopf heftig hin und her geschleudert wurde. Sie waren um so stärker, je mehr das Tier bei den vergeblichen Versuchen zu fressen in Aufregung geriet.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21295402_0091.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)