Die Haemathidrosis, oder, der blutige Schweiss : nebst Mittheilung eines wichtigen Krankheitsfalles : der medizinischen Fakultät der Universität zu Breslau gewidmet / von Johann Jacob Heinrich Ebers.
- Ebers, Johann Jacob Heinrich.
- Date:
- 1856
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Credit: Die Haemathidrosis, oder, der blutige Schweiss : nebst Mittheilung eines wichtigen Krankheitsfalles : der medizinischen Fakultät der Universität zu Breslau gewidmet / von Johann Jacob Heinrich Ebers. Source: Wellcome Collection.
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![Trieb, sich zu kratzen, um das Blut hervorzurufen, olinc allen Erfolg. Es brach aber ein so heftiger An- fall der Melancholie mit Präkordialangst aus, dass sie sich mit einem Messer erstochen haben würde, wäre sie nicht von ihrer Mutter daran verhindert worden; sie sprach stets von ihrem Geliebten und sagte ihren Tod voraus. Am 20. war sie ihrer Vernunft gar nicht mehr mächtig, sie sah scheu und wild umher und schien Nie- mand zu kennen, Blutungen erschienen nicht. Inden dar- auf folgenden Tagen war sie völlig kindisch und spielte in freieren Zwischenräumen wie ein kleines Kind. Dazwischen traten immer wieder melancholische Anfälle mit Selbstmordversuchen auf. Im Mai, und zwar am 23., brach nach voraufgegangenem heftigen Ekel heilsames Blutbreclien aus, worauf das Gemüth der Kranken freier wurde. So blieb der Zustand bis zum 8. Juni, wo wieder nach Uebelkeit; nicht Blutbrechen, sondern aus der Gebärmutter eine solche Blutung hervorbrach, dass man sie wohl Blutsturz nennen konnte. p]s mussten die ernstesten Massregeln hiergegen ergriilen werden: die reichliche Anwendung von Säuern, kalte Umschläge; die Kräfte sanken so, dass man den Tod befürchten musste. Am 15. Juni wiederholte sich die Metrorrhagie in fast gleicher Stärke, so dass die Kranke über eine Stunde in Ohnmacht lag und zu sterben drohete, und diese Blutflüsse erneuerten sich bei der völlig erschöpften Kranken, so dass man nicht begrei- fen konnte, dass sie bis zum 20. des Monats noch lebte. Und doch brachen vom 16. Juni an täglich blutige Schweisse an den Fingerspitzen hervor. Die Stimme wurde so schwach, dass sie kaum dem Ohre hörbar war, wenn man auch dasselbe an ihren Mund brachte. Bis zum 20. hatte sie ausser Arzeneien nichts zu sich genommen, und erst am 24. genoss sie eine leichte Fleischbrühe. Sie lag in einem schlafähnlichen Zustande, wie eine an völliger Blutleere Leidende. Am](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22323478_0050.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


