Die alte Grenzscheide zwischen Thier- und Pflanzenwelt und deren Umsturz durch die moderne Naturwissenschaft : eine anatomisch-physiologische Abhandlung / von Friedrich Karl Knauer.
- Knauer, Friedrich K. (Friedrich Karl), 1850-1926.
- Date:
- 1876
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Credit: Die alte Grenzscheide zwischen Thier- und Pflanzenwelt und deren Umsturz durch die moderne Naturwissenschaft : eine anatomisch-physiologische Abhandlung / von Friedrich Karl Knauer. Source: Wellcome Collection.
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![stoffabschcidiing die eoinplicirten Verbiiidiingeu : Kohlenhydrate, Fette bilden, sonach dem Thiere dessen nothwendige Nahrung und den Saiierstoif bereiten sehe, andererseits wieder das Thier durch Analyse der aufgenommenen complicirten Nährstoffe Kohlendioxyd, Wasser, Ammoniak an die Pflanzenwelt abgebe, so sei da ein inniger Wechselverkehr zwischen Thier- und Pflanzen- welt wol nicht zu läugnen und liege eben in diesem gegen- seitigen Füreinanderarbeiten der Pflanzen- und Thierwelt ein weiterer Hinweis auf deren ganz verschiedenes Wesen. Selbst die Fortpflanzungsweise thierischer und pflanzlicher ^er pflan- Ors-anismen bot den Vertheidigern der absoluten Scheidung ° ° wiege die unge- der organischen Welt in zwei grosse Gruppen einen Anhalts- schiechtiiche, punct. Wenn auch, sagten sie, die geschlechtliche Fortpflan- Thier- zung in der Thier- und Pflanzenwelt in ziemlich analoger ^i]iej.|jt^ijefje' Weise zu finden sei, so müsse man andererseits doch zugestehen Fortpflauzung. dass die ungeschlechtliche Fortpflanzung durch Knospung und Theiluug in der Pflanzenwelt entschieden vorherrsche, was nicht gleicherweise in der Thierwelt der Fall. Aber mögen auch alle die bisher für die Notbwendigkeit Die Pflanze be- einer scharfen Scheidung zwischen Thier- und Pflanzenwelt ^^^^^ ^^^^^ sprechenden Gründe der Richtigkeit entbehren, so könne ein ijürUche Bewe- wichtiger und durchgreifender Unterschied zwischen Thier- gung und Em- und Pflanzenwelt nicht angefeindet werden, dass nämlich dem pß^'^ungsver- Thiere willkürliche Bewegung und Empfindungs- vermögen zukomme, der Pflanze nicht. Zumal der Besitz resp. Mangel des Empfindungsvermögens gelte ja von jeher als unantastbares Kriterium thierischer und pflanzlicher Natur, welche Ansicht in dem alten Glaubenssatze: Plantae vivunt, animalia vivuut et sentiunt — schon längst ihren Aus- druck gefunden. Die Pflanze, die, wie schon erwähnt, ihre unorganischen Nährstoffe in ihrer nächsten Umgebung findet, brauche dieselben nicht aufzusuchen, bedürfe daher der will- kürlichen Bewegung nicht. Das Thier aber, das seine Nah- rung oft in weiten Umkreisen von seinem Aufenthaltsorte auf- suchen, unter vorgefundenen Nahrungsstoffen die zusagenden auswählen muss, könne dies nur im Besitze willkürlicher Be- wegung, also auch des Empfindungsvermögens bewerkstelligen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22295689_0027.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)