Der einfache und diphtheritische Croup und seine erfolgreiche Behandlung mit Wasser und durch die Tracheotomie / dargestellt nach eigenen zahlreichen Erfahrungen von G. Pingler.
- Pingler Georg.
- Date:
- 1879
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Credit: Der einfache und diphtheritische Croup und seine erfolgreiche Behandlung mit Wasser und durch die Tracheotomie / dargestellt nach eigenen zahlreichen Erfahrungen von G. Pingler. Source: Wellcome Collection.
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![■ ] Koxa stellt sich in den ulcerösen Formen weit perniciöser dar, als in »den entzündlichen. In letztern Fällen wirkte sie, wie, wenn verdünntes ;Senfol au den Gaumen etc. gelangt wäre, in ersteren hingegen als eine :Schädlichkeit, die das Gewebe der Schleimhaut, oberflächlich oder in die Tiefe greifend, in dem Grade zertrümmert, daß seine vitalen Beziehungen laufgelöst erscheinen, es ist necrosirt. Die speeifische Schädlichkeit reicht aber noch weiter und wirkt auch auf das aus dem angrenzenden intacteu Gewebe heraustretende, restitutive Exsudat ein, und erlaubt demselben durchaus inicht, seine Aufgabe, die geschehene Läsion auszugleichen, zu erfüllen, es erlangt besonders bei der epithelialen Form ein zerklüftetes, gelockertes .Aussehen, wie aufgeklebte feine Wolle, und verhält sich ganz verschieden im Vergleich mit den Pseudomembranen in der Trachea, die nach meiner lErfahrung nie auf necrotisch-ulcerativem Wege sich entwickeln, sondern al s wahre Entzündungsproducte sich erweisen. Daher hat zur Be- seitigung des Exsudates im Gaumen und der Membranen daselbst die Antiphlogose gar keinen therapeutischen Werth, auf die croupösen Häute in der Trachea aber einen doppelten; sie hemmt die Weiterbildung der- selben und rarificirt das Exsudat, soweit Solches möglich ist. Meine the- rapeutischen Beobachtungen bringen mich in Widerspruch mit den Aerzten, welche in dem Kali-Chloricum, der Acpia oxymuriatica, Acma calcariae spe- eifische Wirkungen in Absicht auf die Heilung der Geschwürformen ge- funden haben wollen: ich habe beide erstere Mittel innerlich in schwachen und starken Dosen angewandt, ich habe beide auch local versucht, bin alier nicht weiter gekommen, als bei passivem Verhalten. Auf gleicher Stufe -steht die Kalkmilch, durch einen Inhalationsapparat applicirt. Allein auch mach einer andern Seite hin muß ich Front machen, vorausgesetzt, daß es noch Hydriatriker gibt, die jeden medicinischen Eingriff verdammen und die Wasserkur für überall genügend erklären. Es gibt wenig Aerzte, die sich strenger an den Hippocratischen Satz halten: So lange keine dem Körper feindlichen Stoffe zu Heilzwecken anzuwenden, als man mit naturgemäßen ausreichen kann, als ich; aber auf der andern Seite dürfen System- oder gar Parteirücksichten Dem, was Vernunft und Erfahrung gebieten, nicht voranstehen, und wer sich selbst in die Zwangsjacke eines Systems einschnürt, begibt sich seiner Freiheit. Das Absolute darf niemals auf dem Gebiete der Medicin, die eine Er- fahrungswissenschaft ist, gesucht werden. Wasserärzten der erwähnten Art gegenüber behaupte ich Dreierlei: 1) Die Wasserkur ist nicht als Bpecifisches Mittel zu betrachten, in örtlicher oder allgemeiner Anwendung, zur Heilung der diphtheritischen Gaumengeschwüre. 2) Da bei Geschwü-'](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21710569_0131.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)