Gehirn und Rückenmark : Leitfaden für das Studium der Morphologie und des Faserverlaufs / von Emil Villiger.
- Emil Villiger
- Date:
- 1920
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Credit: Gehirn und Rückenmark : Leitfaden für das Studium der Morphologie und des Faserverlaufs / von Emil Villiger. Source: Wellcome Collection.
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![bettet sind. Diese longitudinal verlaufenden Bündel bilden eine absteigende Vestibularis- wurzel und finden ihre Endigung in einem sie begleitenden absteigenden Teil des Kerns, im Nucleus radicis descendentis vestibularis. Absteigende Vestibulariswurzel und zuge¬ höriger Kern können kaudalwärts bis in die Gegend der Hinterstrangkerne verfolgt werden. Ein anderer Teil der Vestibularisfasern findet die Endigung in einem Kerngebiet mehr im lateralen Teil des Bodens des IV. Ventrikels. Hier treffen wir auf die Zellgruppe des DEiTERSSchen Kerns, welcher sich dorsalwärts diejenige des BECHTEREWSchen Kerns anschließt. Die ganze in der Seitenwand des Ventrikels gelegene Kerngruppe wird auch als Nucleus angularis bezeichnet. Schließlich sehen wir Fasern des Vestibularis direkt zum Wurmgebiet des Kleinhirns aufsteigen unter Abgabe zahlreicher Kollateralen an den Deiters- schen und BECHTEREWSchen Kern. So sehen wir also den Vestibularis enden, einmal im dorsalen Kern und in dessen absteigendem Teile, ferner im DEiTERSSchen und Bechterew- * sehen Kern und endlich mit zahlreichen Fasern direkt im Kleinhirn. Diese letzteren direkt zum Kleinhirn verlaufenden Fasern bilden einen Teil der medialen Abteilung des Corpus restiforme, wir bezeichnen sie als direkte sensorische Kleinhirnbahn — Edinger. Andere Fasern, die ihren Ursprung in den Endkernen des Vestibularis nehmen, steigen mit diesen direkten Fasern ebenfalls zum Wurmgebiet empor und bilden als indirekte sensorische Kleinhirnbahn einen zweiten Anteil der medialen Abteilung des Corpus restiforme. So setzt sich also die mediale Abteilung des Corpus restiforme oder des unteren Kleinhirnstiels einmal aus direkten und indirekten Zügen des Vestibularis zusammen. An ihrem Aufbau beteiligen sich aber auch noch Faserzüge, direkte und indirekte, anderer Hirnnerven, ganz besonders des Trigeminus. Die von den Endkernen dieser Hirnnerven cerebellarwärts ziehenden Faserzüge (indirekte sensorische Kleinhirnbahn) werden auch als Tractus nucleo- cerebellares bezeichnet. Fasern ziehen aber auch umgekehrt vom Wurmgebiet (Nucleus tecti) zu den Endkernen, besonders zum DEiTERSsschen und BEGHTEREwschen Kern und bilden so den Tractus cerebello-nuclearis. So sehen wir also, wie der untere Kleinhirnarm oder das Corpus restiforme Erregungen dem Kleinhirn zuleitet. Aus dem Rückenmark gelangen dieselben via lange Hinterstrang¬ bahnen und Kleinhirnseitenstrangbahnen cerebellarwärts, welchen Bahnen, wie wir gesehen haben, die Leitung der Tiefensensibilität oder des Muskelsinns aus den Muskeln und Gelenken des Körpers und der Extremitäten zukommt. Und berücksichtigen wir nun, daß die Bogen¬ gänge des Labyrinths als Organ des Gleichgewichtssinns (Orientierung des Körpers und speziell des Kopfes im Raume) zu betrachten sind und daß der Nervus vestibuli die zentrale Leitung der vom Labyrinth ausgehenden Erregungen übernimmt, dann können wir die Endigung seiner Fasern im Kleinhirn als dem Reflexapparat im Dienste der Gleichgewichtserhaltung beim Stehen und Gehen wohl verstehen. Bei der Besprechung der Kleinhirnbahnen haben wir darauf hingewiesen, wie Erregungen vom Kleinhirn aus hauptsächlich vermittelst des Bindearms auf dem Wege über den Nucleus ruber und den Thalamus, außerdem aber auch noch auf anderen Bahnen spinalwärts geleitet werden können. Solche cerebellofugale Bahnen sehen wir auch durch Vermittlung oder inner¬ halb des Corpus restiforme caudalwärts ziehen. Als ein solches vom Nucleus tecti der gleichen und gekreuzten Seite und vielleicht auch vom Nucleus dentatus absteigendes Bündel ist hier der Tractus cerebello-bulbaris oder fastigio-bulbaris zu nennen. Das Bündel wird auch als Hackenbündel des Bindearms, Tractus uncinatus (Rüssel-Thomas) bezeichnet. Die Fasern ziehen über das Brachium conjunctivum und gelangen im weiteren Verlaufe in die mediale Abteilung des unteren Kleinhirnschenkels. Die Endigung erfolgt zum Teil im DEiTERSSchen Kern, zum Teil erst in kaudaleren Gebieten in bestimmten Kerngruppen der Medulla oblongata und unter Angabe von Kollateralen an motorische Hirnnervenkerne. Die ]](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29820637_0221.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)