Über die Functionen der Grosshirnrinde ; gesammelte Mittheilungen.
- Hermann Munk
- Date:
- 1890
Licence: Public Domain Mark
Credit: Über die Functionen der Grosshirnrinde ; gesammelte Mittheilungen. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Francis A. Countway Library of Medicine, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Francis A. Countway Library of Medicine, Harvard Medical School.
13/336 page 3
No text description is available for this image
No text description is available for this image
No text description is available for this image![scliiedeneii Theile der Grosshirnrinde noch durchaus bestritten war, ge- schweige denn dass die Functionen ebendieser Theile sichergestellt ge- wesen wären. Im grossen und ganzen war der Stand der Dinge damals folgender. Allgemein anerkannt war, dass auf elektrische Reizung, wenn der Angriff innerhalb einer gewissen Strecke an der Convexität des Gross- hirns erfolgt, Bewegungen eintreten und zwar bestimmte, verschiedenen Stellen jener Strecke entsprechend verschiedene Bewegungen, dass da- gegen jede Bewegung ausbleibt, wenn ein anderer Theil der Convexität von der Reizung betroffen ist. Die reizbaren Stellen der Grosshirn-Ober- fläche und die Reizerfolge waren bei einer ganzen Anzahl von Thier- species untersucht. Auch war der Einfluss verschiedener Umstände, wie des Aethers, des Morphiums, des Curare, der ilpnoe, der Verblutung u. s. w. auf die Reizbarkeit verfolgt, und es Wcir ermittelt*, dass diese Reizbarkeit im frühesten Lebensalter fehlt und mit der Zeit erst sich einstellt. Woher der Reizerfolg rührt, ob von der Erregung der grauen Rinde selbst oder von der Erregung der darunter befindliche]! weissen Substanz, war nicht entschieden. Schliesslich war darüber alles einig, dass die Reizversuche für sich allein es nicht sicher zu beweisen ver- mögen, dass motorische oder psychomotorische Functionen in dem der reizbaren Strecke zugehörigen Abschnitte der Grosshirnrinde ihren Sitz haben, dass vielmehr für einen solchen Beweis wesentlich die Erfolge der Exstirpationsversuche als mit massgebend oder sogar als entscheidend anzuerkennen seien. Die Versuche mit beschränkter Exstirpation der Rinde oder auch der Rinde und der benachbarten weissen Substanz innerhalb der reizbaren Strecke der Grosshirn-Oberfläche hatten indess die erwartete Entscheidung nicht geliefert. Es waren nicht eigentliche Lähmungen (Paralysen), welche als Folgen der Exstirpationen zur Beobachtung kamen, sondern Störungen der Art, dass z. B. das betroffene Bein ausrutschte, sich beliebig verschieben liess, beim Gehen falsch aufgesetzt wurde u. dgl. m. Darin hatte Hitzig** eigenthümliche Motilitätsstörungen, Störungen des Muskelbewusstseins, Unfähigkeit sich vollkommene Vorstellungen über den Körpertheil zu bilden, gesehen und die motorische Function der reizbaren Rindenstrecke damit erwiesen geglaubt; ja, unter denen, welche ihm folgten, hatten sogar Oarville und Dur et die Störungen, welche ihnen als „un manque de spontaneite et de direction dans le mouvement partiel erschienen, geradezu als eine eigenartige Paralyse aufgefasst, welcher sie den Namen * Soltmann, Jahrb. f. Kinderheilkunde, N. F. Bd. 9. 1875. S. 106. ** Untersuchungen über das Gehirn. Berlin 1874. — Reicliert's u. du Bois- Reymond's Ärch. 1874. S. 392. 1*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21068562_0013.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)