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Credit: Die Pflege und Ernährung des Kindes / von A. Jacobi. Source: Wellcome Collection.
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![L beschränken. Zweifel fand, dass, wenn nach dem Aufhören der Pulsation und nach kräftigem Schreien abgenabelt wird, in der Pla- centa noch immer 192 Gramme Blut zurückbleiben , dass diese Menge aber nur 92,29 Gramme beträgt, wenn die Placenta durch den Crede- schen Handgriff entfernt wurde. Die Differenz des Blutgehaltes des Kindes, wenn nach dem ersten oder zweiten Verfahren abgenabelt wurde, betrug also hundert Gramme — ein Umstand, welcher, wenn es als Axiom gilt, dass unter allen Umständen das Kind möglichst viel Blut beherbergen soll, das Crede'sche Verfahren zur Notwendigkeit stem- peln würde. Uebrigens reducirte L. Meyer diese Differenz auf die kleine Summe von 2,69 Procent, also für ein Mittelgewicht der Pla- centa von sechshundert Gramme auf 16 Gramme. Nach A. Schue- cking beträgt das bei dem gewöhnlichen Verfahren der Abnabelung nach Aufhören der Pulsation als Reserveblut in der Placenta zurück- gehaltene Blut ein Dritte] des Gesammtblutes der Neugebornen, nach dem Crede'schen Handgriff nur acht bis vierundzwanzig Gramme (nach Illing fünfzig). Einige andere Beobachtungen scheinen für die Rath- samkeit des späten Abnabeins sprechen zu sollen. So berichtet M. Hof meier beobachtet zu haben, dass spät abgenabelte Kinder eine geringere Abnahme und eine frühere Zunahme des Körpergewichts er- fahren. Auf der andern Seite fand aber V i o 1 e t, dass spät abgenabelte Kinder durchschnittlich 619, früh abgenabelte nur 585 Gramme an Gewicht verlieren. Es ist auch beobachtet worden (P o r a k), dass mit Blut überfüllte Kinder leichter gelbsüchtig werden. Neumann fand Blutaustritte in der Schädelhöhle in acht Fällen, ebenso Illing, und bei der Leichtigkeit, mit welcher Blut bei dem Neugebornen in allen möglichen Körpertheilen extravasirt, ist die Gefahr von Blutungen nicht abzustreiten, es sei denn, dass, wie Violet und Andere nachgewiesen haben, eine sehr schnelle Destruction von Blutzellen — ähnlich wie nach Transfusionen bei Erwachsenen — mit dem Ueberschuss aufräumt. Nach dem Gesagten scheint es nicht, dass vorläufig an der alten Regel, nach welcher das Abnabeln nach mehrmaligem kräftigem Schreien stattzufinden habe, viel zu ändern sei. Auch hier aber wird man zu individualisier, haben; denn bei sehr anämischen und nicht gut ent- wickelten Kindern mag der Praktiker in den Fall kommen, durch län- geres Warten oder durch Auspressen der Nachgeburt den Blütgehalt des Kindes vermehren zu wollen. Gelegentlich niuss sogar die Blut- menge des Kindes vermindert werden ; noch neuerdings hat wieder P o- Ii« rak bei der Form der Asphyxie, welche man als blaue boschrieben findet, den Aderlass empfohlen. Im Allgemeinen aber verbietet die As- phyxie irgend welche Rücksicht auf eine der obigen Regeln. Denn dir 2 *](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22301574_0021.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


