Beitrage zur Kenntniss von Verlauf und Behandlung der tropischen Malaria in Kamerun / von Albert Plehn.
- Plehn Albert.
- Date:
- 1896
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Credit: Beitrage zur Kenntniss von Verlauf und Behandlung der tropischen Malaria in Kamerun / von Albert Plehn. Source: Wellcome Collection.
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![Hier in Westafrika gilt es als besonders bedenklich, das Chinin während oder unmittelbar vor dem Fieberanfall zu nehmen. So wenig das theoretisch begründet ist, insofern das Malariaplasmodium nur im frühen Stadium seiner Entwickelung durch das Chinin getödtet wird, und demnach die Chininwirkung während des Anfalls am vollständigsten sein muss, wo die jungen Parasiten „gewissermaassen in statu ’nascendi“ getroffen werden [ich komme hierauf noch zurück; vergl. auch Mannaberg (9)], — so zweckmässig ist es praktisch, den Fieber- abfall zu erwarten, wenn sich’s um Intermittens handelt. Erstens ist dann die Wahrscheinlichkeit am geringsten, dass das Medicament durch Erbrechen und Durchfall sofort entfernt wird; zweitens wird der Kranke besonders stark belästigt, wenn die Chininbeschwerden auf der Höhe des Anfalls eintreten. Freilich ist das freie Intervall oft so kurz, dass sich dies Unerwünschte nicht vermeiden lässt. - Auch darf nicht übersehen werden, dass Derjenige, welcher sich dazu entschliesst, sofort Chinin zu nehmen, wenn er einen Fieberanfall nahen fühlt, der zweiten der hier typischen beiden Fieber- attaquen vor beugt. Die Parasitengeneration, welche durch ihre Sporulation den zweiten Fieberanfall auslösen würde, ist nämlich in der Regel der Chinineinwirknng noch zugänglich, wenn der erste An- fall sich anzukündigen beginnt. Dieser erste Anfall bleibt allerdings unvermeidbar. Sehr warnen möchte ich davor, bei einer Continua etwa das Herabgehen des Fiebers erwarten zu wollen, bevor man zum Chinin greift. Da kann es leicht zu spät werden. Ich habe es mir zum {Grundsatz gemacht, unter allen Umständen iy2—2 g Chinin zu geben, wenn eine Continua mit hoher Temperatur (39—40°) zweimal 24 Stunden gedauert hat. Um der Resorption in diesen schweren Fällen sicher zu sein, führe ich das Chinin hier gern durch Injection in die Gluteal- muskulatur ein. Vierundzwanzig Stunden später folgt eine zweite, und im gleichen Intervall eventuell noch eine dritte Dosis gleicher Grösse auf demselben Wege. In seltenen Fällen liel die Temperatur kritisch und dauernd; öfter wandelte sich die Continua vorher zur Intermittens um, und es bedurfte noch einiger weiterer Chiningaben, um definitive Entfieberung zu erreichen. Die Plasmodien, welche man anfangs in allen Stadien der im peripheren Blut verfolgbaren Ent- 1*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21693122_0007.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


