Das Elektrokardiogramm des gesunden und kranken Menschen / von Friedrich Kraus und Georg Nicolai.
- Friedrich Kraus
- Date:
- 1910
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Credit: Das Elektrokardiogramm des gesunden und kranken Menschen / von Friedrich Kraus und Georg Nicolai. Source: Wellcome Collection.
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![Yergleichend-kardiograpliischeu Versuche von Chauveau und Maeey im normalen Zustand ein scheinbar absoluter Synchronismus der Bewegungen in den homologen Abteilungen der beiden Herzen demonstriert war, behielt allerdings, besonders bei den Klinikern, eine ebenso absolute funktionelle Solidarität der beiden Herz- hälften ohne Widerspruch Geltung. Aber gegenwärtig steht nach graphischen experimentellen Untersuchungen besonders der Schüler von FiiEDkEiCQ (Schmidt-Nielsen, Stassen, Fouconniee] fest, daß ein solcher Synchronismus der Systole der Atrien und der beiden Ventrikel untereinander auch nicht einmal in der Norm existiert. Selbst die einzelne Kammer zieht sich nicht simultan in der ganzen Masse zusammen. Auch da ist eine Propagation der Kontraktionswelle nachweisbar. Es gibt ein Gesetz der nor- malen Sukzession der verschiedenen Phasen des Herz- schlages, in welchem der gewöhnliche Rhythmus begründet ist: vom Atrium dextrum zum linken Vorhof, zur linken und schließlich zur rechten Kammer mit meßbarer Verzögerung an den Übergängen. Dem gegenüber steht auch schon nach Maßgabe des graphischen Verfahrens fest, daß bei (künstlich erzeugten) ventri- kulären Extrasystolen (abnormen Ventrikelkontraktionen) die Erregungswelle an jedem Punkt des Herzens beginnen und von da radiär sich ausbreiten kann. V as den typischen Ablauf der ventrikulären Erregungswelle auf Grund des normalen Elektrokardiogramms betrifft, so halten wir auch für klinisch-pathologische Erörterungen bisher wenigstens die tolgenden Bemerkungen maßgebend. Die Ventrikel besitzen bekanntlich drei Muskelsysteme: Äußere Muskelschicht, Treibwerk, Papillarsystem (vgl. oben § 34). Die Vorhöfe stehen bloß durch das Hissche Bündel mit den Kammern, vermittelst der Tawaeasehen Fasern bloß mit dem Papillarsystem in Verbindung. Letzteres hat sowohl Brücken zum Treibwerk wie zu den äußeren Spiralfasern. Schon aus anatomischen Gründen liegt also wohl die Annahme nahe, daß die Erregung vom Vorhof in das Papillarsystem hineingeht, in diesem von der Herzbasis zur Spitze verläuft, um endlich einer- seits ins Treibwerk, andererseits in die äußeren Spiralfasern zu gelangen. Als erster hat Gotch (1907) Versuche an Fröschen veröffentlicht, welche zeigten, daß auch hei dem einfach gehanten Ventrikel dieses Tieres die Kontraktion, keineswegs als einfache Welle ablaufend, sondern, nachdem sie an der Basis begonnen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28035513_0278.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


