Einführung in die Histologie und Histopathologie des Nervensystems / [Paul Schröder].
- Paul Schröder
- Date:
- 1908
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Credit: Einführung in die Histologie und Histopathologie des Nervensystems / [Paul Schröder]. Source: Wellcome Collection.
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![schiedenen Methoden gewonnenen Nervenzellbilder wesentlich von- einander: die Silberimprägnation nach Golgi gibt schwarze Silhouetten der ganzen Zelle ohne jede erkennbare Struktur des Zelleibes; die Fibrillenmethoden stellen außer dem Kern nur die Fibrillen, sonst keine der verschiedenen Zellsubstanzen dar; die Nisslsche Methode färbt gewisse zwischen den Fibrillen gelegene Protoplasmateile, aber nicht die Fibrillen selbst. Die bisher wichtigste und für die Pathologie am meisten und am erfolgreichsten verwertete Färbemethode der Ganglienzellen ist die Nisslsche1). Nissl hat sie eine spezifische Nervenzellfärbungsmethode ge- nannt. Das ist cum grano salis zu verstehen. Die Methode läßt das Grundgewebe einschließlich aller Nervenfasern ungefärbt, daher die große Distinktheit der Zellbilder; aber sie färbt einmal gewisse Bestandteile aller Zellkerne, nicht nur der Ganglienzellen, sondern auch der Glia- sowie der Bindegewebs- und Gefäßwandelemente. Dagegen färbt sie in den Zelleibern intensiv nur gewisse Proto- plasmasubstanzen, und solche färbbaren Substanzen besitzen im Nervensystem unter normalen Verhältnissen lediglich die Ganglien- zellen2); die Leiber namentlich de]' größeren Nervenzellen nehmen dadurch eine tief dunkle Farbe an. In krankhaft veränderten Teilen des Nervensystems ist das vielfach anders: die allerverschiedensten Gewebszellen, vor allem sind es junge oder in Wucherung begriffene, können Zelleibssubstanzen bilden oder aufnehmen, die nach der Nisslschen Methode sich mehr oder weniger intensiv färben; dahin gehören u. a. Plasmazellen, Mastzellen, Fibroblasten und die meisten progressiv veränderten Gliaelemente. Diese Eigenschaft hebt die Nisslsche Methode über den Rahmen einer spezifischen Nervenzell- färbungsmethode hinaus und bedingt ihre ausgezeichnete Verwert- barkeit für die pathologische Anatomie auch da, wo es nicht auf die Erkennung von Veränderungen der Ganglienzellstruktur ankommt. Ganz besonders eignet sie sich für die Sichtbarmachung wuchernder Glia und von Veränderungen und pathologischen Bestandteilen im Gebiet des Gefäßbindegewebsapparates. — 1) Fixierung und Härtung der Stücke in 96%igem Alkohol, Färben der Schnitte in einer basischen Anilinfarbe, Abspülen in Alkohol, dem eventuell etwas Anilinöl zugesetzt ist. 2) Es gibt auch Ganglienzellen, die nur äußerst geringe Mengen dieser färbbaren Portionen besitzen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28117931_0014.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)