Einführung in die Histologie und Histopathologie des Nervensystems / [Paul Schröder].
- Paul Schröder
- Date:
- 1908
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Credit: Einführung in die Histologie und Histopathologie des Nervensystems / [Paul Schröder]. Source: Wellcome Collection.
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![An der Körperperipherie des Blutegels tritt nach Apätliy aus den Nerven je eine Primitivfibrille an eine Sinneszelle heran, sie bildet im Leibe dieser Sinneszelle um den Kern ein zierliches Gitter, der größere wieder vereinigte Teil zieht aber weiter, verläßt die Zelle und bildet mit dem aus anderen Zellen ausgetretenen Fibrillen aber- mals (wahrscheinlich!) ein [intraepitheliales] Neurofibrillengitter; da- nach würden dann die Fibrillen auch an der Peripherie nicht endigen. In den Muskelzellen findet gleichfalls aller Wahrscheinlichkeit nach eine Endigung der Fibrillen nicht statt. Fassen wir diese Befunde Apäthys zusammen, so ergibt sich für den Aufbau der Neurofibrillen des Nervensystems bei einem Wurme folgendes Gesamtbild: Durch die peripheren Nerven und die zentralen Massen ver- laufen, meist zu Bündeln vereinigt, überall isolierte Fibrillen. Die aus den peripheren Sinneszellen stammenden sensorischen Fasern splittern sich in den Ganglienknoten zu einem Elementargitter auf und sammeln sich wieder zu feinen Fasern; von diesen Fasern tritt ein Teil hinein in (sog. motorische) Ganglienzellen, vereinigt sich in denselben nach abermaliger Gitterbildung zu einer starken Fibrille, welche dann in eine motorische Nervenfaser übergeht. Es besteht demnach eine kontinuierliche Bahn von den Sinneszellen der Körperoberfläche zu den Muskelzellen des Körpers; wahrscheinlich ist es, daß auch an der Peripherie keine freien Endigungen der Fibrillen vorhanden sind, sondern daß auch dort die Bahn geschlossen ist. Stets geht die Bahn in den Zentralorganen durch eine oder mehrere Ganglien- zellen, die aber durchaus nicht immer den Charakter der motorischen zu haben brauchen. Der Physiologe Bethe') war es, der auf die große Bedeutung dieser Befunde Apäthys für die Anatomie und Physiologie mit Nachdruck hinwies. Ihm sind eine Menge von Untersuchern gefolgt, und heute steht die Fibrillenforschung im Mittelpunkte des Interesses der Neurohistologen. Bethe selber suchte die Angaben Apäthys zu ergänzen durch eingehende Untersuchungen über das Verhalten der Fibrillen bei höheren Tieren und beim Menschen. Er gab zu dem Zwecke eine elegante, aber leider nicht leicht zu handhabende Färbungsmethode an; die letzten Jahre haben dann, von seiten D S. namentlich in: Morphol. Arbeiten, herausgegeben von Schwalbe, l>d. VIII, 1897; Archiv f. mikroskop. Anatomie, Bd. LV, 1900; ferner Ailgem. Anatomie u. Physiologie des Nervensystems, Leipzig 1903.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28117931_0025.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)