Malaria und Schwarzwasserfieber (aus dem Pathologischen Museum der Universität Berlin) / von Hans Ziemann.
- Ziemann, Hans (Hans Richard Paul), 1865-1939.
- Date:
- 1924
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Credit: Malaria und Schwarzwasserfieber (aus dem Pathologischen Museum der Universität Berlin) / von Hans Ziemann. Source: Wellcome Collection.
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![e) Serumbeliandlung. Deaderick regt zu Versuchen mit antihämolytischen Seren an. Boye wandte ein der¬ artiges Serum in Gestalt des Antivenin von Calmette in Franz. Indo-China an, nachdem dasselbe schon in vitro antihämolytische Wirkung gezeigt hatte. Dosierung 10 ccm intravenös und dieselbe Menge subkutan, wonach angeblich auffallend schnelle Besserung entstand. Es trat an¬ geblich auch erhöhte Resistenz der r. Bl. ein. Indes war das Verhalten der r. Bl. vor dem Anfall nicht geprüft worden. Natürlich kann man aus einem einzigen derartigen Fall keine Schlüsse ziehen. Die Gebr. Sergent wandten in einem Falle auch Diphtherieserum mit Erfolg an, ebenso Petit (nach Fabre [1920]). Eigenserum wollen Widal, Abrami und Brissaud bei paroxysmaler Hämoglobinurie nach wiederholten intravenösen Injektionen (um antianaphylaktisch zu wirken) angeblich mit gutem Erfolge erprobt haben, Petit nach Fabre (1920) 2mal auch bei Schw., ebenso Glaessner und Pick, sowie Tejera nach Fabre (1920), wiederholte subkutane Injektionen von Pferdeserum (vgl. Civalleri). Derartige Versuche mit Pferdeserum bei Schw.-Kranken dürften nur mit größter Vorsicht stattfinden und zunächst nur bei leichten Anfällen kräftiger Personen. Es sind das Protoplasmaaktivierungen im Sinne Weichhardt’s, die besser durch Bluttransfusionen (siehe unten) zu ersetzen sind. f) Etwaige Störung des Verhältnisses zwischen dem hypothetischen hämolytischen Ambozeptor des Schw.-Kranken und dem Komplement. Wir hatten schon früher gesehen, daß de Raadt und andere Autoren das Schw. auffaßten als bedingt durch das Zusammenklingen zwischen hämolytischem Ambozeptor und einem aus¬ reichenden Vorrat an Komplement. Da nun de Raadt glaubt, daß Ch. und alle anderen Gelegenheitsursachen des Schw. (z. B. Abkühlung, Überanstrengung, Traumen usw.) bei Disponierten eine Steigerung des Komplement¬ gehalts des Blutes bedingen, und da er in der Tat bei 8 von 15 chronisch m.-infizierten Javanen nach Ch. eine z. T. sehr erhebliche Steigerung des Komplementgehalts (in 1 Falle um 300%) sah, rät er, überhaupt eine Komplementverminderung bei Schw.-Neigung zu erstreben. Die hämo¬ lytischen Ambozeptoren könne man ja bei Schw.-Neigung nicht beseitigen. Man müßte sich also schon an das Komplement halten. Dies erstrebt er theoretisch 1. entweder durch Einführung in die Blutbahn von einem auf menschliche Komplemente passenden Gemisch von Antigenen und Antikörpern (Ambozeptoren), 2. oder durch Einführung in die Blutbahn von auf menschliches Präzipitinogen passenden Präzipitinen, bei welcher Verbindung nach V. Pfeiffer und Moreschi1) im Tierexperiment das Komplement fixiert und also unwirksam gemacht wird. Weiter scheint dieser Gedankengang nicht verfolgt zu sein. Ganz unsichere Mittel. (Nur des literarischen Interesses halber erwähnt.) Hg-Cyanidin Dosen von 0,05 endovenös, nach Bedarf nach je etwa 20h 1—2mal wieder¬ holt, erprobte Munoz (1920) in 5 Fällen mit angeblich glänzendem Erfolge. Eine solche kleine Statistik beweist gar nichts. Theoretische Begründung fehlt außerdem. Methylenblau, 3mal tägl. 0,25 empfahl Cricklow (1920) und Cardamatis (Rot + Blau- Farbensymphonie im Urin!!). Vgl. S. 372 u. S. 502. Natr. bicarbonicum, ev. in Verbindung mit Glukose per os, Wright (1917), da er Schw. auf Acidosis zurückführt (??). Ecain, (vgl. S. 373), soll nach Kirschstein auch bei Schw. wirksam sein. (??) Tee von Folia combreti Raimbaulti oder Kinkelibah-Tee (von einem in Westafrika heimischen Strauche aus der Familie der Kombretazeen), von den Eingeborenen gegen Schw. angewandt, von Pater Raimbault empfohlen in Form einer Abkochung von 50 g Folia auf % Liter x) Zitiert nach Köhler, Die Serumforschungen der Neuzeit. Zeitschrift f. ärztl. Fort¬ bildung 1907, Nr. 12, S. 364.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29812057_0598.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


