Malaria und Schwarzwasserfieber (aus dem Pathologischen Museum der Universität Berlin) / von Hans Ziemann.
- Ziemann, Hans (Hans Richard Paul), 1865-1939.
- Date:
- 1924
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Credit: Malaria und Schwarzwasserfieber (aus dem Pathologischen Museum der Universität Berlin) / von Hans Ziemann. Source: Wellcome Collection.
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![Kolloidales Arsen 0,34 mg, in Verbindung mit kolloidalem Eisen (Fe) 0,12 mg, Aq. dest. 2 ccm, 1 Injektion an 3 aufeinanderfolgenden Tagen, empfahl Roux und will damit bei 28 Fällen nur 1 Todesfall (1918) erlebt haben. Ich möchte während der hämolytischen Blutkrise doch dringend vor solchen Experimenten warnen. Behandlung der Schwarzwasserfieberanurie. Ist es trotz der erwähnten Behandlung zur Anurie gekommen, wird man wie oben weiter symptomatisch verfahren (Erhaltung der Herzkraft, reiche Zufuhr von Getränken, Schwitzen usw.). Gerade bei Anurie werden hohe Darmeingießungen mit physiologischer Koch¬ salzlösung, unter Umständen zweimal am Tage, sehr angenehm empfunden. Die auf der großen Oberfläche des Darms sich niederschlagenden Stoffe werden dadurch entfernt. Dringend zu empfehlen sind bei gutem Kräftezustand gerade in diesem Falle Schwitzbäder, bzw. heiße Packungen, um blutentlastend auf die Nieren zu wirken. Werden am Tage wenigstens noch 100—150 ccm Urin entleert, darf man die Hoffnung auf Genesung nie ganz aufgeben. Operative Behandlung. Wegen der fast absolut ungünstigen Prognose bei vollständiger Anurie, die 24h. dauerte, griff ich auf eine Anregung Werners zurück, durch Nephrotomie die Anurie operativ zu beseitigen. Meines Wissens war das bisher noch nicht geschehen. Bekanntlich hatten schon früher Edebohls sowie Lehmann die Dekapsulation bei Anurie vorgeschlagen. Eine junge Lehrerin mit zweitem Schw. bekam völlige Anurie. Während der ersten 2 Tage ungemein heftige Nierenschmerzen. Am Abend des 3. Tages Operation bei befriedigendem Kräfte¬ zustande der Patientin. Lumbalschnitt am lateralen Rande des rechten M. sacrolumbal. Spaltung der Nierenkapsel und Abtragen derselben bis zum Hilus und Nephrotomie durch die Konvexität der Nieren. Operation gut überstanden. Es entleerten sich danach etwa 200 ccm trüben, gelb¬ braunen, sehr eiweißhaltigen Urins. In den 2 folgenden Tagen wieder völlige Anurie. Exitus. Bei Sektion Verstopfung der Harnkanälchen. Wunde war aseptisch geblieben. In einem 2. Falle, wo ich ebenfalls zur Nephrotomie schreiten wollte, kam es vorzeitig zum Exitus durch Herzkollaps, und es fand sich Hufeisenniere bei der Sektion, was immerhin nicht gerade zu weiteren operativen Versuchen ermunterte. Nach dem Verfasser haben noch Stannus, Krüger, Külz und Waldow die Operation versucht, in allen Fällen ebenfalls mit tödlichem Ausgange. Stannus versuchte die Nephrotomie an einer Niere nach 48h. Bestehens der Anurie. Schnitt von Pol zu Pol durch 2/3 des Organs. Kräftezustand des Operierten befriedigend. Während der nächsten 3 % Tage geringe Entleerung einer urinähnlichen Flüssigkeit. Trotzdem Exitus. Stannus glaubt, daß frühere Operation vielleicht wirksam gewesen wäre. Külz machte in einem Falle von 3 ]/2 Tage dauernder Anurie eine einseitige Nephrotomie. Niere stark hyperämisch, brüchig und morsch. Blut bereits stark anämisch und ikterisch. Das bis dahin unstillbare Erbrechen hörte zwar nach der Operation auf, auch wurden 3 h. später 30 ccm Blut aus der Blase entleert und der Verband war 8 h. später stark von blutig-ikterischem Urin durchnäßt, trotzdem Exitus. Külz meint, daß vielleicht die doppelseitige Nephrotomie mehr zu empfehlen sei, weil sonst die zweite Niere noch weiter einen anurischen Reizzustand auf die nephro- tomierte Niere ausüben könnte. Wir haben diese Annahme von nervösen Einflüssen beim Entstehen der Anurie bereits früher zugunsten der mehr mechanischen Ursachen erörtert. Waldow nahm in einem Fall von 2tägiger Anurie die Nephrotomie vor. Es bestand keine Nierenkolik bzw. Nierenschmerzen, jedoch starker Durchfall und Erbrechen und fortschreitende Hämolyse. Die freigelegte Niere war klein, welk, schlaff, von bläulichschwärzlicher Färbung. Rinde und Mark zeigten undeutliche Zeichnung und dunkelschwarzbläuliche Verfärbung. Die austretende blutige Flüssigkeit hatte einen Stich ins Schwärzliche. Nach Abnahme der Klemme am Nierenstiel](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29812057_0602.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


