Ueber die Grössenverhältnisse einiger der wichtigsten Organe bei tumortragenden Mäusen und Ratten / von Florentin Medigreceanu.
- Medigreceanu, Florentin.
- Date:
- 1910
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Credit: Ueber die Grössenverhältnisse einiger der wichtigsten Organe bei tumortragenden Mäusen und Ratten / von Florentin Medigreceanu. Source: Wellcome Collection.
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![o angehörigen Säfte und nekrotischen Teile einberechnet sind. Beim Vergleichen mit normalen Zahlen wurde deshalb besonders auf das Verhalten der Organe zum „Körpergewicht ohne Tumor“ Wert gelegt. Das Verhalten der Organe. Betrachten wir zuerst die Tabelle der normalen Zahlen (Tab. 1) bei Mäusen, wo eine grössere Anzahl Individuen aus verschiedenen Altersperioden untersucht wurden. Wir bemerken erhebliche mit dem Alter verbundene Unterschiede. Die Abweichung betrifft hauptsächlich die Säuglingsperiode. So sehen wir, dass der Magendarmkanal wenige Tage nach dem Eintritt der vegetarischen Diät doppelt so schwer wiegt als bei 9 Tage alten Mäusen. Weiter behält er ziemlich konstante Werte mit einer leichten Abnahme im hohen Alter. Fast genau die- selben Schwankungen macht auch die Leber im Lebenslaufe der Maus durch. Herz und Lunge sind im Gegenteil verhältnismässig grösser bei Säuglingen als bei erwachsenen Tieren. Für die Niere sei bemerkt, dass dieselbe geringere Schwankungen zeigt als alle die anderen untersuchten Organe. Dies gilt sowohl, wenn man die Werte aus verschiedenen Lebensperioden vergleicht, als auch für Individuen desselben Alters. Die Milz ist dagegen sehr grossen Schwankungen unterworfen. Zahlenverhältnisse be- weisen jedoch, dass dieses Organ bei Säuglingen und jungen Mäusen im Durchschnitt viel kleiner als bei erwachsenen und älteren Tieren dieser Spezies ist. Ich führe diese Betiachtungen an, um zu zeigen, dass nur Individuen aus derselben Altersperiode zu vergleichen sind. Bei den Ratten (Tab. 10, 11) wurden als Kontrolle nur solche untersucht, welche dasselbe Alter wie die Fumortiere hatten. Gründe, auf welche ich in einer nächsten Mitteilung zurück- kommen werde, führten mich zu einem Versuch, in welchem Ratten mit einer gleichmässigen Nahrung (ein Gemisch aus 150 ccm Milch, 350 g Reis- oder Haferbrei und 60 g Brot) mehrere Wochen und Monate gefüttert wurden. Es hat sich dabei ge- zeigt, dass eine Verschiebung in den relativen Organgrössen ein- getreten war, und zwar erschienen Darm, Herz, Niere verhältnis- mässig leichter, die Lunge dagegen im Durchschnitt schwerer, und die Leber blieb konstant. Da auch einige Tumortiere in gleicher- weise gefüttert wurden, so ist der Vergleich derselben mit den entsprechenden normalen Ratten zu machen. Ebenfalls sind die gewöhnlich gefütterten Tumortiere mit gewöhnlich gefütterten Kontrolltieren zu vergleichen. Gehen wir nun zu den geschwulsttragenden Tieren über. Das Verhalten der obenerwähnten Organe wurde bei 13 transplantier- baren Mäusetumorstämmen, 4 spontanen Mäusetumoren und 2 über- tragbaren Rattenturaorstämmen verfolgt. Wie im hiesigen Institute die Regel ist, waren die Impfdosen bei sämtlichen Mäusen und Ratten, die überimpfte Tumoren trugen, genau gemessen, und dadurch die Wachstumsschnelligkeit von einem Tumorstamm zum anderen und innerhalb desselben Stammes vergleichenderweise studiert. Verhalten der Organgewichte. Was zuerst den Magendarmkanal betrifft, so erhielt ich im allgemeinen den Eindruck, dass derselbe, auf „Körpergewicht ohne Tumor“ bezogen, den normalen vergleichbaren Zahlen iden- tische oder nahestehende Werte behält. Auffallenderweise sieht man in den meisten Fällen (vergl. die Zahlenverhältnisse bei den Mäusetumoren Stamm 63, 50 [Tab. 3], J. [Tab. 4], 62 [Tab. 4], 37 [Tab. 6], den Rattentumoren [Tab. 11]) die relative Schwere des Verdauungstraktus mit der Grösse der Geschwulst abnehmen, gleichgültig, ob der Tumor epithelialer oder bindegewebiger Natur ist, ob er rasch oder langsam wächst. Unter 200 Fällen sah ich nur 8—10 mal, besonders bei kleineren Tumoren, den Magendarmkanal die höchsten physio- logischen Grenzen erreichen. Eine Hypertrophie dieses Organs, vjenigstens bei den unter- suchten Tumortieren, konnte also nicht bewiesen werden. Ganz anders verhält sich die Leber. Berechnet man ihre relative Grösse auf „Körpergewicht ohne Tumor“, so erscheint sie hypertrophisch bei all den untersuchten transplantablen Tumor- stämmen wie auch den Spontanturaoren. Bis zu einer gewissen Grenze ist es möglich, einer/Parallelismus zwischen der relativen Grösse dieses Organs und der relativen Schwere der Geschwulst zu verfolgen, und zwar sowohl innerhalb desselben Stammes, als in weiten Linien auch beim Vergleichen der transplantierbaren Stämme und Spontantumoren untereinander. Es soll jedoch nicht verschwiegen bleiben, dass ich in einem Falle, unter ausser- gewöhnlichen Bedingungen eine deutliche Abweichung fand. Es war dies bei einer Maus, die einen 5 Monate alten Tumor aus dem Stamme 37 trug. Die Geschwulst wog 22,5 g, während die Maus nur 19,5 g wog. Dieses Tier hatte normalschwere Leber. Ausgeschlossen ist es nicht, dass auch in diesem Falle die Leber ein Hypertrophiestadium durchgemacht hatte. Da sich aber solche Verhältnisse nicht wiederholten, will ich dabei nicht länger verweilen. Es ist mir eine angenehme Pflicht, zu erwähnen, dass die Vergrösserung der Leber bei tumortragenden Mäusen auch von Abderhalden und Koelker in Berlin fast gleichzeitig mit mir unabhängigerweise konstatiert wurde. (Briefliche Mitteilung.)i) Sie arbeiteten mit Leberpresssäften von Mäusen, die mit Tumoren aus den Stämmen 63 und 92 im hiesigen Institute geimpft waren. Berechnen wir nun die Lebergrösse auf „Körpergewicht mit Tumor“, so erhalten wir meistens Zahlen, die mit den normalen Werten, d. h. mit den normalen Verhältnissen zwischen Leber und Körpergewicht übereinstimmen. Oft genug findet man aber einerseits, z. B. beim Tumor „39“ (Tab. 7), den Rattentumoren (Tab. 11) zu grosse Lebern auch für Körpergewicht -[- Tumor, und andererseits, besonders wenn die Tiere allzu grosse Tumoren tragen, solche Zahlen, wonach die Leber bei dieser Berechnung kleiner als bei den normalen Kontrolltieren ist. Erinnern wir uns noch, dass man bei dieser Berechnung die Grössen zum Teil auf totes Material bezieht (Nekrose und Flüssig- keit der Geschwülste), so wird es klar, dass die erstere, auf „Körpergewicht ohne Tumor“, entscheidender ist. Da die Vergrösserung der Leber bei den tumortragenden Mäusen und Ratten allgemein ist und sich daran viele wichtige Probleme anschliessen, dürfte es geboten sein, diesen Befund einer Diskussion zu unterwerfen. Vor allem müssen wir uns klarmachen, ob die Hypertrophie nicht nur eine scheinbare ist. Man kann z. B. einwenden, dass die Leber gross erscheint, 1. weil die Tiere in anderen Geweben abgenommen hatten, oder 2. weil die Leber ein Gewicht erreichte, welches sie auch sonst unter normalen Bedingungen erreicht hätte. Die erstere Annahme kann ich leicht beseitigen. Die Leber ist grösser als normal, auch wenn man zum gefundenen Körper- gewicht des Tieres den Abnahmeweit hinzuaddiert Ein Beispiel, das ich nach Belieben vermehren könnte, möge dies illustrieren: Bei einer sarkomtragenden Ratte berechnete ich genau, was aus dem Gesamtgewicht (Tier -f Tumor) dem Tumor allein zukommt und welche Schwankungen das Körpergewicht selbst während des Geschwulstwachstums durchgemacht hatte und fand, dass die Ratte ein Maximalgewicht von 132 g erreichte. Die Leber dieser Ratte wog 10,5 g (12 Tage später). Zwischen beiden besteht also das Zahlenverhältnis 10,5 : 132 = 1 : 12,5, ein Wert, welcher gegenüber dem normalen, 1 : 19,9, viel zu hoch ist. Bleiben wir bei demselben Beispiel und nehmen weiter an, der Tumor (55,7 g) wäre ein Teil des normalen Tieres. Tier -|- Tumor wog 180 g, wovon der Magendarminhalt, 12,6 g, ab- zuziehen ist; 180—12,6 = 167,4 g. Selbst unter diesen Umständen hätten wir ein Verhältnis der Leber zum Körper wie 1 : 15,9, was noch immer zu hoch ist. Wenn ich weiter erwähne, dass in meinen Fällen die Ab- nahme der Tiere im allgemeinen nicht als bedeutender Faktor eine Fehlerquelle bildet, da die meisten in dieser Beziehung untersuchten Tiere zur Zeit der Sektion dasselbe Körpergewicht wie im Momente der Impfung zeigten, in zweiter Reihe zuge- genommen und nur in dritter Linie der Häufigkeit an Körper- gewicht verloren hatten; ferner, dass auch die erwachsenen, spontan an Krebs leidenden Tiere hypertrophische Lebern hatten, und dass ich nur auf deutliche Unterschiede Wert legte, so scheint mir auch der letztere Einwand nicht länger haltbar. Es gibt aber auch andere Tatsachen, welche Unterschiede zwischen Tumor und normaler Leber bilden. Es sei hier z. B. der Befund eines erhöhten Wassergehaltes, manchmal bis 4—5 pCt., erwähnt, den ich in den meisten Fällen feststellen konnte. (Vgl. die prozentischen Trockensubstanzwerte.) Ich hatte Gelegenheit, eine Ratte zu untersuchen, 20 Tage nach völligem Schwund eines ungefähr 10—12 g schweren Sar- koms. Die Leber dieses Tieres zeigte sich noch immer ver- grössert (Tab. 10); ich führe diesen Befund an zum Vergleich mit analogen Verhältnissen bei trächtigen Mäusen, bei denen ebenfalls eine leichte Hypertrophie der Leber nachzuweisen war (Tab. 2). Sehr wahrscheinlich aber geht die Hypertrophie in 1) Vergl. auch E. Abderhalden, A. El. Koelker und Florentin Medigreceanu, Zeitschr. f. physiol. Chemie, Bd. 62, H. 2 u. 3, S. 148.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22419056_0009.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


