Ein Fall von schwerer Neuropsychose, ausgezeichnet durch congenitale Anomalieen des Centralnervensystems / von E. Siemerling.
- Siemerling, E.
- Date:
- [1891?]
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Credit: Ein Fall von schwerer Neuropsychose, ausgezeichnet durch congenitale Anomalieen des Centralnervensystems / von E. Siemerling. Source: Wellcome Collection.
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![„Wieiu i* Medizinische Blätter11 passuug rfahrung unterge- e Eltern physiologischen Niederschlag der Erfahrung und Ai vieler Tausende von Generationen betrachten — die L des einzelnen Menschen kann hierbei doch nur von ordneter Bedeutung sein. Wir sehen plastisch, wie unsei und unsere Ureltern, weil wir so sehen müssen! , Auf die sehr interessanten Verhältnisse der Thieiweltl welche jene beiden Factoren des plastischen Sehens in tausendfältigen Variationen entwickelt zeigt, sowie auf die mit meiner, Theorie recht wohl zu vereinbarenden Ergebnisse der neuesten I Gehirn- Physiologie, die gemeinsame Projection der beiden Netzhaut- bilder in den Sehsphären des Gehirns (HinterhauptiS]appen) u s w kann ich aus räumlichen Rücksichten heute nicht em- gehen, ebenso wenig auf einige aus meiner Theorie sich er- gebende Folgerungen in Betreff der Pupillarreaction und der Linsencontraction u. s. w. — Fragen, welche, ein ganz neues Gesicht erhalten, wenn es sich — wie ich annehme als richtig ergibt dass die Fernquälitätenempfindung in der NetzM&tgrqbe durch Vermittelung des Gehirns jene Bewegungen reguljrt. Ich muss deshalb auf meine Schrift über das „Plastische Sqhen als Rindenzwang” (mit weiteren Ausführungen in dei von L. Arrest besorgten französischen Ausgabe) und auf die der (. l)tik ge- widmeten Capitel meiner „Kunstphysiologie1’ verweisen. Wissenschaftliche Mittheilungen ans der niederösterreichischen iLandes- Irrenanstalt.*) i. Männerabtlieilung. Primararzt Dr. Josef v. Marjczell. Ein Fall von Echinococcus des Gehirns unter den Symptomen einer fortschreitenden Hirnparalyse verlaufend. M. S„ 46 Jahre alt, katholisch, verheiratet, Schlosser, aus Oberhollabrunn, Niederösterreich, wurde am 4. Augpst mit Parere des k. k. polizeiärztlichen Functionärs Dr.^ Schipidt in die niederösterreichische Landes-Irrenanstalt in W ien gebracht. Dieses Parere besagt: Seit einigen Wochen lässt sein (Jedächt- niss nach, er nennt die Sache beim Unrechten Worte, verhält sich sonst ruhig. Die Krankheit besteht seit sechs Woc ien: sie erscheint als fortschreitende Gehirnparalyse. Status somaticus bei der Aufnahme: 4. August 189j.. Patient mittelgross, schwächlich gebaut, gut genähr-j. Haare und Bart blond. Iris graublau. Puls regelmässig voll, njpflt. ge- spannt, 75. — Appetit und Schlaf angeblich gut. j Schädel schmal und lang rnit einer kleinen rechtwipkeligeu Narbe über der linken Schläfe und deutlich vorspringenden ! Hinter- ganz verstnciien, ciei iviuim micn mihb moni» abweichend. Brust und Bauchorgane ohne pathologischen Befund. Sehneurettexe beiderseits erheblich gesteigert. Hautreüexe von mittlerer Intensität. Patient ist unrein, lässt während dei- Unter- suchung Harn und Koth unter sich gehen. Die Sprache : st lang- sam und lallend. Status psychicus bei der Aufnahme: 4. August 189i. Patient ist örtlich und zeitlich ganz unklar, behauptet seit der Erbauung des Hauses in der Anstalt zu sein. Er i st nicht, im Stande, die Monate des Jahres aufzuzählen, kann die Zeit von der vorgehalteneu Uhr nicht ablesen, benennt die Gegen- stände falsch, bezeichnet eine Feder als Spiegel etc., eini. Woche habe 12 Tage, 8X5 = 32, 7 X 8 = 63. Gibt au, im Jaln-e 1873 geboren und jetzt 20 Jahre alt zu sein; erlernte in de - Schule eine „Profesisonei”. Auf die Frage, warum er ins Bett urinire antwortet er: „Das ist eine alte Kunst!” Frau des Patienten gibt an: 6. August 1891. Vater ihres Mannes im Jahre 1854 an Cholera, A Altersschwäche gestorben; ein Bruder und zwei Sebwes Patienten am Leben und gesund, eine Schwester gestoi *) Jahresbericht dev mederösterveichisoheu Lanndes-Iiraiansta Ybbs, Klosterneuburg und Kierling - Gfügging, der niederösteri ijiindes-ivvonzweiganstaU in Langenlois, sowie der sonstigen An Unterbringung geistesgestörter nieder-österreichischer l.andesptleg 1891/92. Ausgegeben vom niederösterreiojuschen Landesausselmsse k. k. Hof- und Staatsdruckerei. bekannt woran. Seit 21 Jahren bekannt und seit 19 Jahren mit Patienten in glücklicher Ehe gelebt. Z\vei Kinder an Fraisen gestorben, acht leben und sind gesund. Patient im Jahre 1876 Ikterus und 1889 Pneumonie überstanden. Soll immer nüchtern und fleissig gewesen sein. Lues nicht acquirirt. im FiUbjahie 1. J. soll er auf den Hinterkopf gefallen sein; bald daiauf klagte er über Kreuzschmerzen. Vor etwa drei Wochen traten Kopf- schmerzen 'auf; von da au Vergesslichkeit, er konnte sich häufig nicht ausdrücken, verwechselte die Namen seiner lvindei etc. Seit dieser Zeit bestand auch unwillkürlicher Harnabgang. Verlauf Patient bot bis Ende August dementes Gebaren; zeitliche und örtliche Orientirung fehlt noch vollständig. Patient ist fast immer ruhig; nur zeitweise, besonders bei Besuch durch seine Frau, wird er leicht erregt, zeigt sich jähzornig, manchmal mürrisch. Es macht sich allmählich grosse körperliche Schwache geltend, so dass Patient das Bett hüten muss. Hin und wieder klagt Patient über Schmerzen im Kopfe, welche er nicht locali- sirt, Schwindel, und zeigt meistens ängstlichen Gesichtsaus- dlUCkAm l. September meldet der Wärter bei der Morgenvisite, Patient habe während der Nacht mehrmals Speisen erbrochen. Bei der Visite wird Patient mit tief benommenem bensormm, fast regunglos gefunden. Auf Reizung der Haut und der Con- junctiven erfolgt keine Reaction. Pupillen weit, gleich, ohne Ke- action. Auf Anrufen hin öffnet er langsam ein wenig die Augen, um sie langsam wieder zu schliessen. Greift mit der linken Hand wie im Traum an den Kopf. Die rechte Hand liegt legungslos auf der Bettdecke, ist vollständig erschlafft, die rechte untere Extremität desgleichen, nur fällt sie beim Erheben etwas lang- samer in die horizontale Lage zurück. Rechte Flasolabiaiturclie vollständig verstrichen. Bauch, Kremaster, Glutaeal- und andere Reflexe fehlen rechterseits. Periphere Reflexe erscheinen ver- mindert, Sensibilität nicht gestört. Es zeigt steh eine dem Lheyne stokes-Athmen ähnliche Respiration. Temperatur Früh 37,6, Abends 37,5, Puls 76. •, • , , .. v ' Am 2. September streckt Patient auf Verlangen bereits die Zunge heraus; sie wird zitternd, langsam, mit sichtlichei An- streno-ung dargeboten und zeigt deutliche Abweichung nach rechts. Beim Oeffuen bemerkt man einen horizontalen Nystagmus: die Schwingungen haben aber eine sehr geringe Breite, so dass die Augen gleichsam zittern. Puls regelmässig voll, 128, Tempe- ratur Früh 38, Abends 38,2. ....... Am 3. September reichte Patient bereits auf Anrufen die linke Hand zum Gruss. Die Augen stehen ruhiger, nach links gewendet: eine Bewegung gelingt trotz sichtlicher Anstrengung des Patienten nicht. Im Uebrigen liegt Patient schlafsüchtig da; muss künst- lich genährt werden. Die Augenspiegeluntersuchung zeigt keine Stauungspapille. In diesem Zustande verharrt Patient ohne \ie Veränderung einen Tag mehr, den anderen etwas weniger be- nommen. Die- körperliche Ernährung nimmt stetig rapid ab. An der unteren rechten Extremität stellt sich scheinbar Besserung ein: dagegen bleibt die obere vollständig unbe- weglich. . T, . . Die am 17. September auf Grund des objectiven Befundes Gestellte Diagnose lautete auf eine Respirationspneumonie. Seeret war massenhaft angesammelt; eine Beförderung der Expeetoratiou, die beim gesunkenen Kräftezustande des Patienten nur sehr vorsichtig angestrebt werden konnte, führte zu keinem Re- sultate. , . . Am 19. September machte sich intensiver toetor ex ore bemerkbar, und unter zunehmendem Collaps erfolgte am 20. Sep- tember Früh der Exitus letalis. Die Obductiou, 21. September 1891, ergab: Körper mittelgross, kräftiger Knochenbau, abgezehrt. Haut blass, Schädeldach geräumig, dünnwandig, compact. 18 Centi- meter im longitudinalen, 15 Centimeter im biparietalen Durch- messer. Die Dura mater schlaff, ziemlich blutreich, ihre Innen- fläche glatt, die inneren Meningen über beiden Hemisphären zart und blutreich. An der linken Hemisphäre die Windungen an der convexen Seite des Stirnlappens etwas abgeplattet, von fluetuirender Weichheit, und zwar namentlich der zweiten und dritten Stirnwindung entsprechend. Diese Schwellung- und Ab- plattung greift auch nach der medialen Seite der Hemisphäre und iu°die Sylvi’sche Grube über und ist bedingt durch einen hühnereigrossen Sack, welcher von einer vascularisirten glatten dünnen, bindegewebigen Membran gebildet wird und eine ebens .utter au tern des ben. uu- ton Wißn, eiehisehen talteu zur inge pro . Aus dev](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24763068_0042.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


