Grundriss der klinischen diagnostik / von dr. G. Klemperer.
- Georg Klemperer
- Date:
- 1890
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Credit: Grundriss der klinischen diagnostik / von dr. G. Klemperer. Source: Wellcome Collection.
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![betes). Guter Ernährungszustand bei längerer Krankheits- dauer spricht gegen kachektische Krankheiten. Acute Fieber- kraukheiten verschlechtern den Ernährungszustand wegen der kurzen Dauer meist nicht wesentlich; dagegen führen die subacuten (Typhus, Meningitis) zu starker Abmagerung. Differentialdiagnostisch besonders wichtig ist der Er- nährungszustand bei Lungenkrankheiten (Phthisis bei Kachek- tischen, Bronchiaikatarrhe meist bei kräftigen Menschen) und bei Magenkrankheiten (Carcinom bei Kachektischen, Ulcus und Neurose meist bei gut genährten Individuen). 3. Constitution und Habitus. Durch den häufigen An- blick von Kranken lernt der Arzt gewisse Gesammtein- drücke von einzelnen Krankheitsformen festzuhalten, aus dem er im gegebenen Falle auf den ersten Blick einen ge- wissen Krankheitsverdacht schöpft. Dieser Gesammteindruck setzt sich aus Ernährungszustand, Farbe, Haltung, Blick, Sprache etc. zusammen. Die Beurtheilung des Habitus ist von unleugbarem Werth, darf aber die sorgfältige Unter- suchung nicht beeinträchtigen. Habitus phthisicus bei Tuberculose. Blasses, oft durch- geistigtes Antlitz mit feiner Haut uni circumscripter Wangen- röthe; schlanker Hals; paralytischer Thorax. Magerer, schlanker Wuchs. Habitus apoplecticus. Rundes, dunkelrothes, feistes Ge- sicht. Augen wässerig glänzend. Kurzer Hals; meist fassförmiger Thorax. Fetter Körper. Oft kurzer, schnaufender Atheoi. Bei Alkoholismus, Emphysem, Neigung zu Apoplexien. Habitus neurasthenicus. Meist gut genährtes, aus- drucksvolles Gesicht Augen intelligent, leidend, mit unstetem Ausdruck; Sprache oft hastig. Hypochondrisch und launisch, oft misstrauisch. Es ist Sache der Erfahrung, den Krankheitshabitus zu er- kennen. P]in gewisser Instinkt (der ärztliche Blick) ist hier oft massgebend, jedoch durch viele Uebung wohl zu ersetzen. 4. Die Lage des Patienten, welche sofort wahrgenommen wird, kann den Gesammteindruck des Krankheitsbildes beein- flussen. Bei Rückenlage achte man, ob der Patient wie ein Gesunder mit leichter Muskelspannung im Bett liegt (active Rückenlage) oder, der Schwere nachgebend, zusammengesunken, mit hochgerutschten Knien (passive Rückenlage). Die letztere ist stets ein Zeichen von Schwäche oder CoUaps und von übler Vorbedeutung. Dauernde Seitenlage wird oft bei Affectionen einer Körperhälfte eingenommen (Pneumonie, Pleuritis, Bronchi- ektasen) und kann in solchen Fällen von diagnostischem Werth sein. Bauchlage in seltenen Fällen von Magengeschwüren.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21216368_0015.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


