Die örtliche Betäubung : ihre wissenschaftlichen Grundlagen und praktische Anwendung, ein Hand- und Lehrbuch / von Prof. Dr. Heinrich Braun.
- Heinrich Braun
- Date:
- 1925
Licence: In copyright
Credit: Die örtliche Betäubung : ihre wissenschaftlichen Grundlagen und praktische Anwendung, ein Hand- und Lehrbuch / von Prof. Dr. Heinrich Braun. Source: Wellcome Collection.
49/528 page 39
No text description is available for this image
No text description is available for this image
No text description is available for this image![verdunstet sehr rasch unter starker Abkühlung. Zur Anwendung bei Zahnextraktionen dient ein gabelförmiger Ansatz mit zwei Ausflu߬ öffnungen. Unter der Einwirkung des Ätherstrahls sinkt die Quecksilber¬ säule eines Thermometers rasch auf —15 bis —20° C, in einem Reagenzglas enthaltenes Wasser verwandelt sich alsbald in Eis. Richtet man ihn aus einer Entfernung von etwa 5 cm auf die Haut, so wird letztere zuerst rot, nach einigen Minuten weiß, hart und völlig unempfind¬ lich, sie ist gefroren. Manchmal bleibt das Hart- und Weißwerden der Haut aus, während sie schon unempfindlich ist. Reizt man sie jetzt mechanisch, drückt man z. B. den Rücken eines Messers auf sie oder ritzt sie oberflächlich mit der Messerschneide, so tritt nunmehr plötzlich nachträglich jene Veränderung in der Farbe und Härte des Gewebes auf. Nicht jeder Äther ist hierzu geeignet. Zur Erzielung einer genügend starken Wärmeentziehung bedarf man eines reinen, wasserfreien Schwefeläthers, welcher ein spezifisches Gewicht von 0,720 hat, bei 34,5° siedet und als sogenannter Narkosenäther heute überall zu haben ist. Empfindliche Teile, z. B. die Hodensackhaut, müssen vor der unmittel¬ baren Einwirkung des Äthers durch Einreiben mit Vaselin oder Glyzerin oder durch Einschaltung einer Metallplatte (Prosoroff), welche durch den Ätherstrahl abgekühlt wird, geschützt werden. Um Überfließen des nicht verdunsteten Äthers über die Haut, z. B. in der Umgebung der Augen, zu verhüten, konstruierte von Lesser Metallkästchen, deren Form sich den verschiedenen Körperteilen anpassen läßt. Sie werden zu 3/4 mit Äther gefüllt, den ein hindurchgeschickter Luftstrom zur raschen Verdunstung bringt und fest an die Haut angedrückt, bis sie ge¬ friert. Nach dem gleichen Grundsatz ist eine von Braatz angegebene Vorrichtung gebaut, welche speziell dazu bestimmt ist, ganz kleine um¬ schriebene Teile der Haut oder Schleimhaut unempfindlich zu machen zum Zweck nachfolgender Einspritzung betäubender Flüssigkeiten. Diese Apparate sind entbehrlich und haben eine weitere Verbreitung niemals erlangt. Die Einwirkung des Äthers auf die Gewebe ist naturgemäß weit stärker, tiefer gehend und anhaltender, wenn an den Gliedern zuvor durch Abschnürung die Zufuhr frischen, warmen Blutes zum Ope¬ rationsgebiet unterbrochen wurde (Girard 1874). Die Abkühlung und Eisbildung im Gewebe tritt alsdann sehr schnell ein, das Wieder¬ auftauen und die Rückkehr des Gefühls erfolgt sehr langsam. Anstatt des Schwefeläthers sind auch andere Kohlenwasserstoffe im Richardsonschen Apparat gebraucht worden. Nur als die haupt¬ sächlichsten sollen hier genannt werden: Bromäthyl (Siedepunkt -j-38° [Terillon, Monod, Perrier, Berger]), Schwefelkohlenstoff (Siede-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29817663_0049.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)