Der Urogenitalkrebs in seiner Bedeutung für das Krebsproblem / von C. Posner.
- Carl Posner
- Date:
- [1903?]
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Credit: Der Urogenitalkrebs in seiner Bedeutung für das Krebsproblem / von C. Posner. Source: Wellcome Collection.
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![an dieses Ereignis hier nur zu erinnern, nachdem erst ganz vor kurzem von autoritativster Seite [Olshausen]1) über einen solchen Eall be¬ richtet worden ist. Handelte es sich in den bisher erwähnten Eällen wesentlich um Verschleppung lebenden, ausgebildeten Krebsgewebes im Organismus und dessen Wucherung an anderen Stellen, so ist man gerade beim Urogenitalsystem schon aus entwickelungsgeschichtlichen Gründen gern geneigt, für die Entstehung neuer Tumoren auch an verirrte oder versprengte Keimgewebe im Sinne der Cohnheim sehen Theorie zu denken. Namentlich wird man ja auf diese förmlich hingewiesen, wo es sich um Neubildungen handelt, die schon im kindlichen Alter, ja sogar, wie in C. Weigerts bekanntem Falle, intrauterin erscheinen können. Durchmustert man ältere Statistiken von Nierenkrebs, so ist ja die Beteiligung der ersten Lebensjahre ganz erstaunlich; so wollte z. B. Bohrer unter 96 Fällen 37mal, also in fast 40 Proz., Nierenkrebs bei Kindern unter 10 Jahren ge¬ sehen haben; und ähnlich lauten die Zahlen von Ebstein und Lach¬ mann2). Hier hat sich nun unser Standpunkt in den letzten Jahren in¬ sofern wesentlich verrückt, als wir heute zwar den angeborenen, auch den malignen Charakter vieler der in Bede stehenden Neubildungen anerkennen — nicht aber den carcinomatösen. Seitdem Grawitz zuerst auf das Vorkommen von Nebennierengewebe in den Nierentumoren hingewiesen hat, sind durch fortlaufende Untersuchungen — ich erwähne nur die Arbeiten von Birch-Hirschfeld, v. Hanse¬ mann, Lubarsch — eine grosse Zahl von Typen erkannt worden, die wohlcharakterisirt sind und mit dem eigentlichen Carcinom nichts gemein haben: die Hypernephrome, die malignen Endo- theliome, maligne Adenome, Teratome u. a. m. Schliesst man alle diese Formen, die hier nicht zur Diskussion stehen, aus, so bleibt für das Kindesalter nur ein sehr geringer Prozentsatz von echten Carcinomen zurück — nicht grösser als in anderen Organen; und deren Ableitung im Cohnheim sehen Sinne schwebt tatsächlich in der Luft. Für die Geschlechtsorgane, beim Manne wie beim Weibe, liegen die Verhältnisse wohl ziemlich ähnlich; auch hier kommen gelegentlich in früher Kindheit sich entwickelnde Geschwülste zur Be¬ obachtung, auf die embryonale Genese der Carcinome aber fällt kein neues Licht. Erwähnen aber möchte ich immerhin hier eine Beobachtung von Ehrlich3), die, wenn auch unter sehr komplizierten und abnormen 1) Deutsche med. Wochenschr., 1902, Nr. 42. 2) Vgl. Senator, Die Krankheiten der Niere in Nothnagels Sammel¬ werk, 1902. 3) Gallertkrebs der ekstrophierten Blase. Bruns Beitr., Bd. 30.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b30603997_0008.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


