Beitrag zur Lehre der Tubenschwangerschaft / von M. Muret.
- Muret, Maurice.
- Date:
- [1893?]
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![dass die Ausräumung oder Auskratzung des Uterus gerade in solchen Fällen ihre Triumphe feiert. In ähnlicher Weise wäre als Ziel und Ideal der Therapie beim protrahirten Tubenabort die Entfernung der Mole, die Ausräumung, gleichsam die Auskratzung der Tube ohne deren Abtragung zu bezeichnen, wobei die Beseitigung der Hämatocele noch in Betracht käme. Ich glaube nun, dass ein solches conservatives Verfahren in geeigneten Fällen in der That mit Erfolg eingeschlagen werden kann, und als Beweis dafür, dass eine solche Therapie durchaus in den Grenzen des Möglichen steht, erinnere ich an zwei Fälle von Orthmann1), in welchen die Blut- mole so lose im offenen abdominellen Ende der Tube sass, dass sie bei der Operation aus dem Ostium abdominale herausfiel, und des Weiteren an einem Fall von Veit2), in welchem das Ei ebenfalls im Ostium abdominale sich befand. In solchen Fällen wäre gewiss die Erhaltung der Tube möglich. Meistens wird allerdings ein solches Vorgehen unmöglich sein, theils weil das Ostium abdominale zu eng sein wird, theils weil eine schnelle Orientirung bei der Operation zu schwierig sein wird, theils endlich weil die Adhäsionen und Veränderungen an der Tube zu weit gediehen sein werden. Meistens wird also die Entfernung der ganzen Tube nöthig sein. Unter allen Umständen ist beim protrahirten Tubenabort die La- paratomie die einzig indicirte Operation und jeder Eingriff von der Scheide aus zu verwerfen, indem auf diesem Wege die Tube und die Mole nicht zu entfernen sind. Gerade in solchen Fällen und wegen dieses Grundes musste Zweifel3) der Elytrotomie sofort die Laparatomie anschliessen. Auch in dieser Hinsicht wäre also eine genauere Diagnose von Wichtigkeit. Wenden wir uns nun zu der Betrachtung der entfernten Tube, so fällt vor allem am Präparat die hochgradige Verdünnung der Tuben wand an der Insertionsstelle des degenerirten Eies auf: hier sind nämlich Mucosa und Muscularis gänzlich verschwunden und es besteht die Wand nur noch aus dem Peritoneum. Wie ist nun diese eigenthiimliche Thatsache zu deuten und zu erklären? Man darf wohl ohne Weiteres eine Dehnung der Tubenwand durch das wachsende Ei, wie man sie gewöhnlich nur in vorge- *) Orthmann, ]. c. 2) Veit, Verhandlungen der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie. Dritter Congress in Freiburg. Leipzig 1891. 8) Zweifel, Vorlesungen über klin. Gynäkologie. Berlin 1892.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2245617x_0038.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


