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Credit: Gesammelte Schriften / von Joh. Nep. Czermak. Source: Wellcome Collection.
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![oberen oder hinteren Gaumenfläche für jeden Vocal eine andere Stel- lung hat. Und zwar ist es mir nach zahlreichen Versuchen festzustellen gelungen, dass für i die Ablenkung des Zeigers am grössten ist, für u etwas weniges geringer, für o merklich geringer, für e viel geringer, für a endlich ist die Ablenkung in der Regel null oder fast null. Brachte ich die Vocale continuirlich in der Reihe t, m, o, g, o her- vor , so sank der gehobene Zeiger mit zunehmender Geschwindigkeit in die Ruhelage zurück, kehrte ich die Reihenfolge in a, e, o, u, i um, so hob sich der Zeiger mit abnehmender Geschwindigkeit. Hieraus scheint nun zu folgen, dass das Gaumensegel für jeden Vocal eine andere Stellung oder doch eine andere Gestalt annimmt, welche sich für i und u, weniger als für u und o, für u und o weniger als für o und e, für o und e weniger, als für e und a unterscheidet. Es muss nämlich offenbar entweder der Verschluss der Nasen- höhle für die verschiedenen Vocale in verschiedener Höhe stattfinden, für a am tiefsten (wobei das Velum die Oese der Sonde in der Regel noch gar nicht berührt und bewegt), für i am höchsten [wobei das Velum wahrscheinlich nahezu horizontal steht] *); — oder es müssen bei feststehender Berührungslinie, zwischen Velum und Pharynxwand, namentlich auch die seitlichen Th eile der Wölbung des Gaumensegels, convexer werden. Die beiden Abtheilungen, in welche der Rachen beim Schliessen des Gaumensegels zerfällt, werden also unter allen Umständen für die verschiedenen Vocale verschiedene Formen erhalten, was nicht ohne Bedeutung für die Qualität des gebildeten Lautes sein kann. 2) Der weiche Gaumen hat jedoch für jeden Vocal nicht nur eine bestimmte Neigung oder Wölbung, sondern höchst wahrscheinlich erleidet er zugleich noch eine verschiedene Anspannung, die seinen Elasticitäts-Modulus verändert, indem der Nasenverschluss für die ver- schiedenen Vocale auch von verschiedener Festigkeit oder Dichtigkeit zu sein scheint. Dies schliesse ich aus folgenden Versuchen: Ich führte einen dünnen, elastischen Katheter tief in die Nasen- höhle ein, und liess mir , bei rückwärts geneigtem Kopf, in dem Mo- mente , wo ich einen Vocal continuirlich hervor zu bringen anfing, etwas Wasser in die Nase injiciren. Sprach ich a, so durchbrach das Wasser sogleich oder alsbald den 1 Später zeigte es sich, dass das Velum sogar einen stumpfen nach oben offenen Winkel mit dem harten Gaumen macht. (Nachträgl. Anmerkung des Verfassers.)](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21903980_0001_0439.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


