Die wahnbildung bei der melancholie : inaugural dissertation zur erlangung der medizinischen doktorwürde ... / von Stefan Rosental aus Warschau.
- Rosental, Stefan.
- Date:
- 1909
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Credit: Die wahnbildung bei der melancholie : inaugural dissertation zur erlangung der medizinischen doktorwürde ... / von Stefan Rosental aus Warschau. Source: Wellcome Collection.
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![<)l sammenhang gebracht werden können, in einer ähnlichen Weise gebildet, wie z. B. bei der Melancholie mit der Neigung zur Hypochondrie* die entsprechenden Wahnvorstellungen an die pathologischen Sen sationen oder sogar an die normalen Organempfindungen angeknüpft werden. So wollte der Pat. VIII die Medikamente nicht annehinen, er hat Rizinuaüt mit Himbeersaft für Weingeist gehalten und behauptete. daß man ihn damit vor giften wolle; ein anderes Mal wollte er die Suppe nicht essen, worüber er, nachdem die Beziehungsvorstellungen zurückgetreten waren, folgendermaßen berichtete: ,,Drin war Fett, ich dachte, es wäre Gift.“ Es ist charakteristisch, daß die Halluzinationen, welche bei den typischen Melancholien eine unbedeutende Rolle spielen, hauptsächlich bei derartigen Formen erscheinen, wo die Außenwelt dem Patienten feindlich verändert erscheint, um den ,,allopsychischen“ Beziehung* wahn in die Worte zu kleiden (B i n s w a n g e r). Derselbe Pat. VIII klagte: „Mich sah einer an, und da sah ich, daß auch andere es taten, ich werde verspottet und verhöhnt von den Mitpatienten, ich sehe und höre es !“ Im Anschluß an diese Behauptung folgen die Angaben über die entsprechenden Sinnestäuschungen: „Sie sehen mich so merkwürdig an. sie gebrauchen die gemeinsten Ausdrücke, so ein Tiger, so ein Hurer.“ Der Beziehungswahn kann eine ganz verschiedene Stellung zu den affektiven Wahnvorstellungen annehmen, was auch die Mannigfaltig- keit der Wahnbilder und die Variabilität im Verlaufe der Wahnprozesse bei den einzelnen Fällen zur Folge hat. Gewöhnlich verhalten sich die Beziehungsvorstellungen den melancholischen Wahnideen gegenüber ganz selbständig, wie es im Falle IV zum Vorschein kam; sie verbleiben zwar etwas länger im Krankheitsbilde wie die letzteren, ohne jedoch leinen wesentlichen Einfluß auf den Krankheitsverlauf auszuüben. I* Manchmal beeinflussen sich der melancholische Kleinheitswahn und der paranoide Beziehungswahn beiderseits dermaßen, daß sie sich zu einer charakteristischen Wahnform verschmelzen. Auf diese Weise ent- I steht der sogenannte „Beschuldigungswahn”, welcher von denjenigen I Wahnbildern, wo der Verfolgungswahn komplementär zu den Ver- I sündigungsvorstellungen auftritt, zu unterscheiden ist. Der ,,Be- I schuldigungswahn“ steht im Vordergründe des klinischen Bildes im I Falle VII, wo daneben der Vergiftungswahn zum Vorschein kam. I Dieses Verhalten der beiden Wahnformen bestätigt die Annahme I Binswangers (5), welcher dieselben als eine „Übergangsstufe” der I „sekundären” Wahnbildung zum paranoiden Beziehungswahn aufgefaßt I hat. In anderen Fällen pflegen die paranoiden Wahnvorstellungen I erst dann im Krankheitsbilde aufzutreten, nachdem der melancholische I Prozeß sich schon vollständig entwickelt und das gesamte geistige Leben ] entsprechend beeinträchtigt hat; dann erst reagieren die wenig wider- I standsfälligen ,,IchvorsteUungen” und führen zur Bildung des Be- I ziehungswahns (Fall V). Manchmal entstehen die paranoiden Er- I scheinungen, wenn der Depressionszustand sich schon in der Ab- I nähme befindet: durch das Fortbestehen dieser intellektuellen Störung 9 nach dem Zurücktreten der melancholischen Symptome entsteht eine](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22466265_0063.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)