Die wahnbildung bei der melancholie : inaugural dissertation zur erlangung der medizinischen doktorwürde ... / von Stefan Rosental aus Warschau.
- Rosental, Stefan.
- Date:
- 1909
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Credit: Die wahnbildung bei der melancholie : inaugural dissertation zur erlangung der medizinischen doktorwürde ... / von Stefan Rosental aus Warschau. Source: Wellcome Collection.
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![im Anschluß an eine beliebige äußere Schädlichkeit entstehen, ohne daß b ein Depressionszustand vorausgegangen wäre. Überhaupt kann, wie I es Thomsen (60) neuerdings ausgedrückt hat, bei dem manisch- depressiven Irresein z. B. nur eine Phase durch das Bild der akuten \ Paranoia ersetzt werden, was der ,,polymorphen Form“ des zirkulären 1 Irreseins (Ziehen) entspricht. Es ist also überflüssig, diejenigen Krank- I heitsformen, bei welchen nur durch die Persistenz der im melancholischen I Zustand entstandenen Wahnvorstellungen ein paranoides Nachstadium 1 zustande kommt, und die Fälle, wo einmal eine Melancholie sich ab- j gespielt hat, ein anderes Mal unabhängig von dieser sich eine typische j Paranoia entwickelt, so streng auseinanderzuhalten, wie es z. B. ; Anglade (1) in seiner Klassifikation der „Delires systematises I secondaires“ vorgeschlagen hat. Zwischen dem „Ausgang“ eines I Krankheitsbildes in das andere und der sukzessiven Kombination I der Melancholie und Paranoia bei derselben Persönlichkeit existieren I nur zeitliche Differenzen, welche von verschiedenen individuellen I Momenten und den äußeren Faktoren zufällig abhängig sind. Dementsprechend sind auch diejenigen Mischformen, wo die i Wechselbeziehung der melancholischen und der paranoiden Er- I scheinungen ein entgegengesetztes Verhalten zeigt, in einer ähnlichen I Weise derselben nosologischen Gruppe zuzurechnen. In dieser Rieh- I tung sind die Fälle zu erwähnen, in welchen, wie es G1 u s c z e w s k i (18) I und Vorkastner (67) mitgeteilt haben, nach einem akuten para- ii noiden Zustand von mehrwöchiger Dauer sich ein melancholisches iä Stadium entwickelt, worauf die Psychose in Heilung übergeht. I Das depressive Bild soll sich von einer typischen Melancholie nur da- :1 durch unterscheiden, daß die Residuen des paranoiden Stadiums noch! ^ zum Ausdruck kommen, und daß die Affektstörung manchmal nicht soll stark ausgeprägt ist, wie man es nach dem starken Dominieren des] j Versündigungswahns erwarten könnte. Derartige Übergangsbilder hat! j Bleuler (4) mit dem Namen des „melancholischen Wahnsinns“! j belegt und angegeben, daß dieselben in ein typisches melancholisches! Zustandsbild ausgehen können. Diese Behauptung wird bestätigt durch! j den Verlauf derjenigen Erkrankungsformen, welche mit dem Zustande® I des „melancholischen Wahnsinns“ beginnen, wo also neben den akutfa paranoiden Erscheinungen, den Wahnvorstellungen und den Halluzina-j :3 tionen gleichzeitig eine melancholische Affektstörung hervortrittJj n so daß es sich in dem ersten Krankheitsstadium um das Bild der de-l ij pressiven Varietät der akuten halluzinatorischen Paranoia von Z i e h e n| I (54) handelt. Fall XVI. Frau Margarete Ka., 36 Jahre, Stationsdienersfrau. Anamnese: Die Patientin soll immer eine Neigung zur SelbstbeziehungI j gezeigt haben. Am 21. III. 08 eine Geburt. Danach war die Patientin längere Zeit 1 sehr leidend, sie hatte Schmerzen in der Steißgegend, geschwollene Füße und fühlte I fl sich matt, so daß sie meistens zu Bett bleiben mußte und nur an Stöcken laufer I J konnte. Das Kind ist am 23. IV. an Krämpfen gestorben, wodurch die Pat. sehil I erschüttert wurde. Am 20. VI., im Anschluß an einen Streit mit einer Nachbarin I i](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22466265_0066.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)