Volume 2
Grundriss der inneren Klinik : für akademische Vorlesungen und zum Selbstudium / von Hermann Eberhard Richter.
- Hermann Eberhard Friedrich Richter
- Date:
- 1860
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Credit: Grundriss der inneren Klinik : für akademische Vorlesungen und zum Selbstudium / von Hermann Eberhard Richter. Source: Wellcome Collection.
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![PrLuS°gSen-d'Je JänSer die Hepatisation besteht, desto weniger ist auf eine Zerthei- Entzündun-luilg zu hoffen. gen. Als gunslige Zeichen gelten im Stadium der Hepatisation: dampfende Schweisse, Feuchtwerden der Nase, reichliche harnsaure Bodensalze im Urin, lockere und rasch lösende gelbliche rahniäbtfliche Sputa, welche blos gleichförmig gestaltete Exsudat- und Eiter-Körperchen enthalten, Freier- und Ruhigerwerden des Pulses und Athmens, Nachlass des P. dicrotus, Ausfahren am Mund (Herpes labialis, §.639). Doch müssen alle diese Zeichen mit den die Rückbildung beweisenden physikali- schen Kennzeichen (§.772) sorgsam verglichen werden. Denn die nach der Ab- lagerung der Hepatisationen eintretende Euphorie und Fieberlosigkeit ist keineswegs immer ein Beweis der öberstandenen Krankheit oder Gefahr. Von übler B ed eul u n g sind: Hinausscbleppung des Processes über eine Woche hinaus; wiederholte Nachschübe; weite Ausbreitung der Pneumonie über eine ganze Lunge oder über beide zugleich (Pn. bilatm-alü); feuchte Rasselgeräusche hinten in beiden Lungen (Complication mit Oedem); allgemeine blausüchtige Zufälle mit Schwinden des Pulses und mit kalten Gliedmaassen ; immer frequenler und kleiner weidender Puls; sehr schwere und hastige, röchelnde Respiration; reines Bauch- alhmen, oder Einsinken der Herzgrube beim Einathmen, oder oberflächliches, mit Gesichtsverzen ung und Aufblasen der Nasenflügel und Wangen (Puhsten, /'inner la pipe) verbundenes Kopf- und Hals-Athmen; grosse Angst mit Orthopnoe; bleiches, fahles, verfallenes Angesicht; profuse, klebrige und küble Schweisse; anhaltend blutige oder missfarbige (z. B. pflaumenbrüharlige oder schmutzig-grünliche), zer- fliessende, jauchige, stinkende Sputa, grosse Reichlichkeit und Wässerigkeit oder plötzliches Stocken des Auswurfs; Herabrutschen des Kranken oder unbehülfliche Rückenlage; dünnflüssige, zersetzte Beschaffenheit des durch Blutentziehungen oder freiwillige Blutung entleerten Blutes u. dgl m. §.777. Die Behandlung der Pneumonien (besonders der gewühn- Behandlung,]ichen ^ legi(imeu ? croupüsen, §. 773 I.j ist im Allgemeinen die jeder schweren Fieberkrankheit (§. 93). Insbesondere muss man die ver- anlassenden und unterhaltenden Schädlichkeilen vermeiden: besonders das Sprechen, die Körperbewegung, die Einathmung kalter, trockener oder verunreinigter Luft. Der Kranke muss, von allen festanliegenden Kleidungstiicken befreit, in strengster Ruhe im Bette zubringen, wobei er die ihm bequemste Lage wählen kann, jedoch nicht allzutief und bei asthenischen Pneumonien nicht allzuanhaltend auf dem Rücken liegen darf. Im letzteren Falle (besonders bei Greisen, Kindern und Typhösen) muss daher ein Krankenwärter darüber wachen und den Kranken immer in eine geeignete Lage bringen, sobald derselbe herab- rutscht und den Brustkasten zusammendrückt. Im Krankenzimmer set die Luft rein und massig warm, auch kann man durch öfteres Sprengen oder Ausstellen von dampfendem Wasser oder von Laubholz, das öfter besprengt wird, eine feuchte Atmosphäre unterhalten. — Die Diät sei Anfangs (mit wenig Ausnahmen) entziehend, das Getränk wässrig, schleimig und einhüllend, lauwarm oder gemässigt kühl, möglichst durstlöschend. Im Stadium der Zunahme, der entzündlichen Anschoppung und der beginnenden (rothen) Hepatisation ist zeitig und energisch einzu- schreiten um den ganzen Process in seinem Entstehen abzuschneiden: Wer ist 'eben eine rechtzeitige Erkennlniss der Pneumonie in jenem Stadium, wo sie sich fast nur unter allgemeinen Fieberzulällen ver- steckt, die oberste Bedingung eines glücklichen Heilverlahrens. — fcs a. abortive.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2041500x_002_0242.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)