Volume 2
Grundriss der inneren Klinik : für akademische Vorlesungen und zum Selbstudium / von Hermann Eberhard Richter.
- Hermann Eberhard Friedrich Richter
- Date:
- 1860
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Credit: Grundriss der inneren Klinik : für akademische Vorlesungen und zum Selbstudium / von Hermann Eberhard Richter. Source: Wellcome Collection.
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![Zellathmen manchmal mit Gähnen, Aufstossen, Blähungs- oder Harn- abgang u. dgl. ° (leJeÄa.rii.cn^coU7 m die-Kranklieit.m't einem einzigen Anfalle beendet (in Fällen, wo die Uisache leicht zu beseitigen ist, z. B. bei Idiosynkrasie gegen die Einatlm ung von pecacuanhastaub). - In der Regel kehren die Anfälle in der nächsten Nach'ode? binnen einigen lagen oder einer Reihe von Tagen wieder, worauf alsdann (z. B nach Beseitigung des erregenden Katarrhs) eine längere Pause folgt. Oft zieht sich' die Gesammlkrankheil auf unbestimmte Weise in die Länge und nimmt dann einen mehr anhaltenden, blos ab und zu sich verschlimmernden Charakter (der Dvsnnöe* an und wird zum habituellen Asthma. Die hierbei zu Grunde liegenden Lungen- oder Herzübel können begreiflich auch zu tödtlichen Ausgängen führen An sich sind die Anfälle des Brustasthma mehr erschreckend als gefährlich und selten unmittelbar tödtlich (z. B. durch Zerreissung von Luftzellen oder Gefässchen durch Herzlahmung oder Hirnschlagfluss). Dagegen ist die Heilung ebenfalls selten und schwierig, und die Prognose in dieser Hinsicht sehr zweifelhaft. Auch hin- terlassen öftere asthmatische Anfälle an sich materiellere Störungen der Brustorgane: Emphysem der Lungen, Erweiterung des rechten Herzens, Lähmung des Zwerchfells u. dgl. m. BefaJdiun- Die Behand 1 im g hat zunächst den Anfall selbst abzukürzen I. 'öder doch zu erleichtern. Dies geschieht bisweilen durch ein recht- im Anfall. zeitjg gerejc]ltes Brechmittel (aus Ipecacuanha, besonders bei Schleim- fülle); nächstdem durch Hinwegräumung der Ursachen, durch frische Luft (Zufächeln, Oeirncn der Fenster, ins Freie Schaffen u. dgl.), durch Unterstützung des Oberkörpers (namentlich der Arme, Schultern und des Kopfs), Lüsen aller beengenden Kleider. Von äusseren Mitteln versuche man: Epispastika auf die Brust oder an die Extremitäten, Beübung der letzteren mit wollenen Tüchern, warme Fuss- und Hand- bäder (nasse oder trockene), heisse Essigwaschungen, flüchtige und schmerzstillende Einreibungen in die Gegend der heftig und schmerz- haft arbeitenden Brust- und Bauchmuskeln, Einziehen warmer erwei- chender Dämpfe in die Luftwege, Einatlunungen von Chloroform oder Aether, oder von Theer- oder Salpeterdünsten,* Lavements (von kaltem oder warmem Wasser, beziehentlich mit Chamillen, Baldrian, Seife Stinkasant, Zwiebeln, Essig), Bepinseln des Gaumensegels mittels Aetz- ammoniak, das Anspritzen von kaltem Wasser (aus einer Brause) gegen Brust, Bücken oder Hinterkopf (Preiss), bisweilen (bei gefahrdrohender Lungenanschoppung, §. 757) sogar Aderlässe. Von inneren krampfstillenden Mitteln verordnet man im asthma- tischen Anfall: theils Narkotika, namentlich Morphium oder Do- ver'sche Pulver und andere Opiate, Blausäuremittel, Digitalis, Stramo- nium, Belladonna, Hyoscyamus u. a.; theils Nauseosa, wie Ipeca- cuanha, Tinct. lobeliae inflatae (kratzt sehr übel), Brechweinstein, Zink- blumen, Kupfersalmiak, Silbersalpelcr, Platinchlorür (zu l/2 bis 3 Gr. * Das sogenannte Salpeterpapier, Papier nitre, besteht aus einfachem weissem Druckpapier, in concentrirte Salpelerlösung getaucht-und getrocknet. Man versetzt dasselbe ins Glimmen und lässt den Rauch vom Patienten (mittels Papier- rolle u. s. w.) einathmen. Bei einem seit vielen Jahren bestehenden Emphysem war dies das einzige Mittel, welches der Kranken möglich machte, allnächtlich im Bette liegend zu schlafen. Ii](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2041500x_002_0286.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)