Volume 1
J. Henle's Grundriss der Anatomie des Menschen / neu bearbeitet von Fr. Merkel.
- Friedrich Gustav Jakob Henle
- Date:
- 1901
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Credit: J. Henle's Grundriss der Anatomie des Menschen / neu bearbeitet von Fr. Merkel. Source: Wellcome Collection.
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![14, VI. Fötalmonats bilden. Kasch strahlt von hier der Knochen nach allen Seiten hin aus. Serres erwähnt auch noch jederseits einen accessorischen Ossificationspunkt, in der Gegend der Fossa trochlearis und einen zweiten im Proc. zygomaticus Wenn sich die beiden Hälften des Stirnbeines auch schon frühzeitig in der Mittel¬ linie nahe kommen, so sind sie doch auch beim Neugeborenen noch durch eine Naht getrennt, nach oben klaffen sie sogar noch weit in dem vorderen Theil der Stirnfontanelle. Erst gegen Ende des zweiten Lebensjahres verschwindet die mittlerweile zackig gewordene Naht vollständig. Die Stirnhöhlen entwickeln sich nicht vor dem zweiten Jahre. Sie sind als Siebbeinzellen aufzufassen, welche von der Nase her in das Stirnbein vorgeschoben werden. Sie wachsen langsam hinter dem oberen Augenhöhlenrand hin; um das sechste bis siebente Lebensjahr sind sie erbsengross. Später vergrössern sie sich auch nach obenhin; ihre volle Ausbildung erreichen sie erst zu Beginn der zwanziger Jahre. Im Greisenalter sollen sich die Stirnhöhlen noch weiter vergrössern. Varietäten. Die Stirnnaht erhält sich gar nicht selten auch an ausge¬ wachsenen Schädeln; sie zeigt dann am wenigsten von allen Nähten der Calvaria die Neigung zu verstreichen. — Die Stirnhöhlen sind sehr verschieden gross, doch vermisst man sie gänzlich nur an Neuholländerschädeln. Wenn sie sich sehr stark ausdehnen, reichen sie nicht nur sehr weit an der Stirn aufwärts, sondern sie wulsten auch die Gegend des oberen Augenhöhlenrandes beträchtlich und können sich über dem Dach der Augenhöhle hin bis gegen den Proc. clinoid. anter. erstrecken. 6. Siebbein, Os ethmoidale. Fig. 17. Dasselbe ist der Haupttheil des Nasen Skelettes; demgemäss hängt es von der Schädelbasis, und zwar aus der Incisura ethmoidalis des Stirnbeines herab und ist zwischen beide Augenhöhlen eingefugt, an deren medialer Wand es sichtbar wird. Das Siebbein entsteht aus der knorpeligen Nasenkapsel, welche glockenförmig von oben her das Geruchsorgan umfasst. Aus der an¬ fänglich glatten inneren Wand der Kapsel erheben sich in der Folge Leisten (Fig. 17), welche schliesslich zu Platten mit nach unten eingerolltem Rande werden, die Nasen¬ muscheln. Ihre Ansatzlinie geht oben von der Lamina cribrosa aus und ist schräg von oben vorn nach hinten unten gerichtet. Die erst solide Knorpelwand der Nasenkapsel wird durch vordringende Schleimhautdivertikel gehöhlt und in eine Anzahl von Kammern eingetheilt, welche nach der Verknöcherung durch papierdünne Knochenplättchen von einander getrennt werden. Ihrer morphologischen Bedeutung nach sind die Siebbeinzellen in ihrer Hauptmasse nichts An¬ deres, als die zwischen den Ursprungslamellen der Muscheln befindlichen ausgeweiteten, stellenweise durch Septa mit Neben¬ fächern versehenen lateralen Antheile der zwischen den Muscheln liegenden Gänge ]). Interessant ist es, dass die vordringenden Schleimhautsäckchen sogar die V and des Siebbeines an vielen Stellen ganz resorbiren und sich mit ihrem Grund in die anstossenden Knochen einbetten, ja sie können sogar weit in diese Knochen Vordringen und dann grössere Höhlen hervorrufen, Frontalschnitt der Nase eines menschlichen Fötus.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31363350_0001_0078.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


