Volume 1
J. Henle's Grundriss der Anatomie des Menschen / neu bearbeitet von Fr. Merkel.
- Friedrich Gustav Jakob Henle
- Date:
- 1901
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Credit: J. Henle's Grundriss der Anatomie des Menschen / neu bearbeitet von Fr. Merkel. Source: Wellcome Collection.
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![media. (Die untere Muschel [s. unten] gehört in ausgebildetem Zustand dem Siebbein nicht mehr an.) Dieselben sind rauhe, mit dem unteren Rand seitwärts eingerollte Knochen. Die schief nach hinten absteigende Spalte 20, V. zwischen ihnen ist der Meatus nasi super io r. In der Tiefe desselben findet man manchmal das Rudiment einer weiteren Muschel. Nicht selten kann dieselbe sogar zu voller Entwickelung kommen, so dass man dann drei, nicht zwei Siebbeinmuscheln zählen kann. Gedeckt von der mittleren Muschel findet man weiter einen hohlen Wulst, scheinbar eine Siebbeinzelle, welche nicht selten blasenförmig aufgetrieben ist (Bulla ethmoidalis) und dann in den mittleren Nasengang hineinragt. Die vergleichende Ana¬ tomie (0. Seydel 1891) lehrt, dass auch sie einer (Neben-)Muschel ent¬ spricht, wie sie in ausgebildetem Zustande gewissen Säugern zukommt. Von der vorderen Spitze der mittleren Muschel endlich entwickelt sich aus einem kleinen wulstartigen Vorsprung (Agger nasi) ein platter, dünner 26, III, VI. Fortsatz, Proc. uncinatus, ab-, rück- und seitwärts, um sich vor dem Eingang der Kieferhöhle mit einem Fortsatz des Muschelbeines zu vereinigen. Auch er ist das Rudiment einer Muschel und zwar des bei Säugern oft mächtig ausgebildeten Os nasoturbinale. Bulla ethmoidalis und Ursprung des Proc. uncinatus überblickt man nur, wenn man die mittlere Muschel wegbricht. Man findet dann auch, dass zwischen den beiden eine tiefe Rinne, Infundibulum, nach oben führt, durch welche man in die Stirn¬ höhle gelangt. Entwickelung. Das Siebbein ist bis in die zweite Hälfte der Fötalzeit hinein noch ganz knorpelig. Im fünften Monat erscheint ein Kern in der Lamina papy- racea, dem sich andere anschliessen. Beim Neugeborenen sind die beiden Laby¬ rinthe schon im Wesentlichen fertig, aber noch nicht mit einander knöchern ver¬ einigt, da die Lamina perpendicularis noch vollständig knorpelig ist. Ende des ersten Lebensjahres tritt am Ansatz der Lamina cribrosa an die perpendiculäre Platte eine Keihe von Knochenpunkten auf, ein halbes Jahr später auch einer in der Spitze der Crista galli; sämmtliche fliessen zusammen und der entstehende Knochen breitet sich aus. Nun erfolgt die Verschmelzung mit der Lamina cribrosa. Die sehr langsam ossificirende perpendiculäre Platte kann man nicht vor dem fünften Lebensjahr als vollendet ansehen. Varietäten. Nicht selten kommt es vor, dass einzelne Siebbeinzellen sich sehr stark aufblähen und dass sie an sonst ungewöhnliche Stellen Vordringen, so in die Crista galli oder in die Substanz der mittleren Muschel. 7. Muschelbein, Concha nasalis inferior. Geht, wie das Siebbein, aus der knorpeligen Nasenkapsel hervor, stellt jedoch einen von diesem gesonderten Knochen dar, welcher am weitesten in der Nasenhöhle herabgerückt ist. In dem Aussehen unterscheidet es sich nicht, von den beiden Siebbeinmuscheln. Es besteht aus dem Körper und drei Fortsätzen. Der Körper ist eine dünne, rauhe Platte von der Form eines mit den Rändern eingerollten Myrthenblattes; er liegt, die convexe Fläche aufwärts gerichtet, an der Seitenwand der Nasenhöhle, mit dem einen, oberen Rande vorn an die Crista conchalis des Oberkieferbeines, hinten 27, III. an die gleichnamige Crista des Gaumenbeines befestigt und mit dem anderen, etwas wulstigen Rande frei in die Nasenhöhle ragend. Die Fortsätze, ebenfalls platt und dünn, gehen von dem oberen Rande des Körpers aus, einer abwärts, die beiden anderen aufwärts. Der ab-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31363350_0001_0080.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


