Die Anfänge der Anatomie bei den alten Kulturvölkern : ein Beitrag zur Geschichte der Anatomie / von Ludwig Hopf.
- Ludwig Hopf
- Date:
- 1904
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Credit: Die Anfänge der Anatomie bei den alten Kulturvölkern : ein Beitrag zur Geschichte der Anatomie / von Ludwig Hopf. Source: Wellcome Collection.
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![oben erwähnten Phil. Jac. Hartmann (de origine anatomes, p. iöfF.), J. Müller (de extipiciis) und CöVn. Cunz (de Graecorum extipiciis). Durch Schol. Nicandr. Ther. 560 wurden sie nicht klüger. Denn es heißt da nur: „xpaTC^a xai tojAy] [iipY] xtvä s£ir]|Apiva xoü yjtxaxo?, ooaTxep xai ovu^ xai [xayatpa xai xaveov.“ Auch Hesychios*) gibt nur magere Auskunft. Unter ist nach ihm zu verstehen „xwv £v xcö rjTtaxt [Jiepcov racpa xol? S-uxats xaXoupevY] ooyY] (Gefäß); mit Sioxxpa gleichbedeutend setzt er ystojjiexptxdv opyavov; eyyuy] ist arto- Yptcpyj; ixuXat erklärt er: 810 xai xac o8oüg rrüXac; Xeyouat etc. Kurz, für den Forscher nach dem Wesen der altgriechischen Opferschau- Anatomie ist durch alles dies nicht viel gewonnen. Nun ist es ungemein interessant, daß sich auch der große Anatom Vesal mit dieser dunklen Frage beschäftigt hat. Ihm sind die besonderen Namen, welche die Griechen einzelnen Schafsleber- teilen gegeben haben, wohl bekannt, aber wenn er sich veranlaßt fühlte, bei vieren derselben den lateinischen Namen beizusetzen, so stützte er sich dabei nicht auf die Form, sondern auf die an- genommene Physiologie dieser einzelnen Teile. „Focus (saxta) dicitur, maxima namque ad succi con- coctionem facit, quemadmodum concoquendis cibariis focus; Mensa (xpaixe^a), quod mensae vices gerit, nam mem- brorum alimenta in ipsa apponuntur; Cult er (payatpa), dividit enim, segregat inter se humores, aut si quid crassius distribuendum est, id secat atque com- mutat; Auriga (iqvioyo?) nomine appellatur, nam naturales vires jam excoctas humores bene regunt atque in melius recta ducunt.“ Wir sehen also, Vesal geht von der alten Annahme des Ge- kochtwerdens des Speisebreis in der Leber aus, läßt es aber im übrigen ganz unentschieden, welche einzelne Leberteile unter den vier aufgeführten Namen gemeint sind. Über die tcuXy] (nuXai) sich zu äußern, hat Vesal augenschein- lich nicht für nötig gefunden, denn dieser Name wurde schon von der Zeit des Hippocrates her für den Abschnitt der Leber ge- braucht, den wir heute noch als porta hepatis bezeichnen. Um aber einzelne der anderen griechischen Worte auf bestimmte Leber- abschnitte zu deuten, dazu bedurfte es des Zusammenwirkens eines *) Hesychii Alexandrini Lexicon ex recens. Maur. Schmidt, Jen. MDCCCLXV.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22397929_0050.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)