Die Anfänge der Anatomie bei den alten Kulturvölkern : ein Beitrag zur Geschichte der Anatomie / von Ludwig Hopf.
- Ludwig Hopf
- Date:
- 1904
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Credit: Die Anfänge der Anatomie bei den alten Kulturvölkern : ein Beitrag zur Geschichte der Anatomie / von Ludwig Hopf. Source: Wellcome Collection.
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![sakrale Name für tojAy] sei „cella“ gewesen. Deecke bezieht sich dabei auf eine Stelle bei Ph. J. Hartmann (s. oben), wo es heißt: „Diversae sunt Venae, quas haruspices cellas iccunt, hostium, ani- malium, amicorum et alia hujusmodi. Cum ergo accipiunt jecinora, intelligunt, quae cella nec eat, quae pars saliat, igitur dum vident de hostili parte venarum pulsus emergere, significare proelium re- cognoscunt.“ (Vetus interpres Lucani in Pharsal. apud Brissonium L. i de formulis.) Stieda*) ist vollständig im Rechte, wenn er sagt, daß hier „cella“ nicht die Bedeutung von tcuXy] , sondern die eines Blutgefäßes resp. eines Raumes habe, den ein durchschnittenes Blut- gefäß (hier die Venen) einnehme. Der Ausdruck sei sogar recht gut gewählt, denn wenn man die Leber und die einzelnen Lappen durchschneidet, was die alten haruspices sicher getan haben, so sehe man eben Löcher und das seien die cellae. Gegenüber der vorwiegenden Bedeutung der Leber spielten die übrigen exta eine untergeordnete Rolle. Bei der Lunge wurde offenbar auf das Vorhandensein tiefer Einziehungen geachtet, cf. Cic. L. c.: „Quid enim habet haruspex, cur pulmo incisus etiam in bonis extis dirimat tempus et proferet diem?“ — Auch das Herz wurde auf Lage, Größe, Fettbelag etc. auf das Sorgfältigste unter- sucht und nicht immer in normalem Zustande befunden; wenn aber Cicero wiederholt (1. c. I, 52, S. 109 und II, 12, S. 29) berichtet: „In extis bovis opimi cor non fuit,“ so ist nach dem Zweifel, den er dem ganzen Opferschauwesen überhaupt entgegenbringt, zu schließen, daß er diese Märe nicht geglaubt, sondern für einen Trug der haruspices gehalten hat. „Quid habent (exta) naturale,“ ruft er aus,**) „quo declarari possit, quid futurum sit?“ Er kann es nicht begreifen, daß das einemal Feuersgefahr, ein andermal eine Erbschaft, ein drittesmal Verluste durch eine Leber, ein Herz oder eine Lunge angezeigt werden sollten. Andere denkende Männer vermochten es auch nicht, und bekannt ist ja das geflügelte Wort, daß kein haruspex einem anderen begegnen könne, ohne zu lachen. Die Versuche des Kaisers Claudius,***) durch ein Senatus consultum der Opfer- schaudisziplin wieder aufzuhelfen, sprechen deutlich von dem Ver- fall, in den dieselbe schon damals geraten war. *) L. Stieda a. a. O., S. 27. **) De divin. II., 12 p. 340.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22397929_0055.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)