Zur Heilung grösserer Defecte der Tibia durch gestielte Haut-Periost-Knochenlappen / von A. Eiselsberg.
- Eiselsberg, Anton, Freiherr von, 1860-1939.
- Date:
- [1897]
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Credit: Zur Heilung grösserer Defecte der Tibia durch gestielte Haut-Periost-Knochenlappen / von A. Eiselsberg. Source: Wellcome Collection.
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![und dabei das Mark der in zahlreiche Stücke zerbrochenen Tibia vielfach von Eiter durchsetzt gefunden. Es hatte sich also eine eitrige Osteomyelitis der Knochen- stücke entwickelt, welche die Entfernung derselben, sollte das Leben nicht schwer gefährdet werden, dringend nothwendig machte; ausserdem wurde noch drs obere und untere mit Eiter durchsetzte Fragment der Tibia mit dem Löffel ausgeschabt. Nach diesem Debridement blieb ein ausgedehnter Knochendefect zurück, der entsprechend der vorderen Kante der Tibia gegen 8, an der hinteren 2 Ctm. betrug. Der Uefect wurde locker mit Jodoformgaze ausgefüllt. 2 Tage nach diesem Eingriffe war das Fieber verschwunden und blieb dauernd fort. Die Wundhöhle füllte sich allmälig mit Granulationen, auch schien die Fibula sich zu consolidiren, was bei der Tibia mit Rücksicht auf die Grösse des De- fectes ganz unmöglich war. Vielmehr stellte sich der Fuss stark in Varus- Stellung. Nachdem Patient längere Zeit fieberfrei geblieben war, wurde 21/2 Monate nach dem Unglücksfalle durch eine Autoplastik aus der Tibia, ganz analog der im Fall I beschriebenen Methode, der Tibiadefect gedeckt. Die Länge des transplantirten Knochenstückes betrug 9 Ctm. Um die bestehende Tendenz zur Varusstellung zu vermeiden, wurde der Fuss im Spranggelenke in die Mittel- stellung gebracht und ein Gipsverband angelegt. Der Verlauf war im ganzen reactionslos und nur durch eine am elften Tage eingetretene beträchtliche Temperatursteigerung gestört. Als Ursache derselben wurde ein etwa haselnussgrosser Abscess im untersten Wundwinkel, sowie ein unter dem Verband nach oben zu sich erstreckendes Erythem, welches jedoch nicht von der Wunde ausging und gleichzeitig an verschiedenen Stellen des Körpers sich zeigte, angesprochen. Die zu dieser Zeit vorgenom- menen Culturversuche des Blutes fielen negativ aus. Nach dieser etwa drei Tage andauernden Störung des Allgemeinbefindens war der weitere Verlauf bis auf geringe abendliche Temperatursteigerungen normal. Die Wundheilung, sowie die Einheilung des transplantirten Knochenstückes erfolgte reactionslos, so dass der Patient nach 5 Wochen im Verband umhergehen konnte. Jetzt, 4 Monate nach der Operation, ist durch die Transplantation die Continuität der Tibia vollkommen wieder hergestellt und das transplantirte Stück entschieden stärker geworden. Eine Verkürzung ist nicht vorhanden; die (kurze Zeit nach der Operation beobachtete) Tendenz zur A'arusstellung des Fusses war durch ein leiches Redressement im entgegengesetzten Sinne dauernd zu beheben. Somit hat sich in zwei Fällen das von W. ]\lüllcr für ein- fache Pseudrathrose und zur üeberbrückung kleinerer Tibiadefecte angewandte Verfahren auch für die Deckung grösserer Tibiadefecte bestens bewährt, indem ein je 12 und 9 Ctm. langer Knochen- defect dauernd zur Heilung gelangte. Besondere Erwähnung verdient, dass in beiden Fällen das transplantirte Knochenstück im Laufe der Monate, besonders nachdem Patient mehr umherging, stärker wurde. Im ersten Falle ist durch das Auftreten von](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21223385_0013.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)