Die Geschwüre und die erworbenen Fisteln des Magen-Darmkanals / von Viktor Lieblein und Heinrich Hilgenreiner.
- Lieblein, Viktor.
- Date:
- 1905
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Credit: Die Geschwüre und die erworbenen Fisteln des Magen-Darmkanals / von Viktor Lieblein und Heinrich Hilgenreiner. Source: Wellcome Collection.
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![Endlich seien hier noch einige Verfahren genannt, welche gleich- sam eine Kombination zwischen den Durchtrennungen mit der Dami- schere und den früher genannten Verfahren darstellen. So gab Reybard (1838) ein ziemlich kompliziertes Enterotom an (s. Fig. 29), bei welchem jede der beiden Branchen aus zwei paral- lelen, am Ende sich vereinigenden Stäben bestand. War damit die Scheidewand gefaßt und das Enterotom geschlossen, so wurde durch eine am vorderen schrägen Ende schneidende Klinge, welche zwischen den Stäben der beiden Branchen vorgeschoben wurde, der Sporn, so- weit er gefaßt war, vollständig durchtrennt. Die liegenbleibende Pin- zette sollte Blutung und Koterguß nach innen verhindern und die rasche Verwachsung der Darmwände (angeblich schon in 2 Tagen [?]) bewirken. Das Verfahren, welches nur in wenigen Fällen (von Rey- bard und Scoutetten) versucht worden ist, sollte weniger schwierig und weniger schmerzhaft sein als das Dupuytrens und auch eine geringere Entzündung als dieses hervorrufen. Ob der Gefahr, welche eintreten würde, wenn man gezwungen wäre, wegen Entzündungs- zufällen noch vor Verwachsung der Darmwände die Zange zu ent- fernen, mußte es bald wieder verworfen werden. v. Ludwig (1847) gab ein Enterotom an, mit Hilfe dessen die nebeneinanderliegenden Darmwandungen durch Druck nur zur Ver- wachsung gebracht werden sollten, damit man dann an der Ver- wachsungsstelle ein großes Fenster zum Durchgänge der Fäzes aus- schneiden könne. Und noch 1895 empfiehlt Picone, in ähnlicher Weise durch eine mit Watte umwickelte Klemmpinzette die Darmschlingen zur Verklebung zu bringen und dann mit der Schere so viel als nötig vom Sporne zu entfernen. b) Darmscheren, welche durch chemische Kraft wirken. Der erste Vorschlag, Kaustika zur Zerstörung des Spornes zu benützen, stammt von Vidal de Cassis. „Man könnte,“ sagt er, „an jedem Ende einer Pince zwei kleine Cüvetten anbringen, welche man mit Silbernitrat oder noch besser mit Wiener Aetzpasta anfüllt etc.“ Er versprach sich davon eine beschränkte Einwirkung des Kaustikums auf die betreffende Stelle des Spornes, sowie die gewünschte adhäsive Entzündung desselben. Valette war der erste, welcher dieses Ver- fahren anwandte, indem er ein Aetzmittel (Chlorzink) in die Rinne der weiblichen Branche der Dupuytren sehen Darmschere brachte. Roubaix benützte in ähnlicher Weise in mehreren Fällen mit Erfolg eine Klemmpinzette mit einer der Länge nach gerinnten Branche, welche mit einer Aetzpasta gefüllt war und in welche die gegenüber- stehende abgeplattete Branche gut hineinpaßte. Laugier endlich kon- struierte zu diesem Zwecke ein eigenes Enterotom (s. Fig. 30), welches nach Anlegen desselben die Wirkung des Aetzmittels ein- und auszu- schalten gestattete. Laugier beließ das Aetzmittel durch 3 — 3^2 Stunden in Kontakt mit dem Sporne, worauf das Aetzmittel ausgeschaltet, das Instrument aber noch 5—6 Tage am Platze belassen wurde. Da diese Enterotome in ihrer Wirkung weder rascher noch sicherer waren als die D u p uy tr ensche Darmschere, bei nicht exakter Anlegung oder beim Verschieben des Instrumentes aber schwere Gefahren für den Kranken heraufbeschwören konnten, fanden dieselben ebenfalls nur ver- einzelte Anwendung.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28087033_0525.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)