Hexenprozesse und Geistesstörung : psychiatrische Untersuchungen / von Otto Snell.
- Otto Snell
- Date:
- 1891
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Credit: Hexenprozesse und Geistesstörung : psychiatrische Untersuchungen / von Otto Snell. Source: Wellcome Collection.
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![Gesichtes äusserten, wird man schwer urteilen können, da wir zu unseren Zeiten keine Erfahrungen darüber sammehi können, wie sich normale Menschen unter denselben Umständen benehmen. Dass diese Zufälle bei den Hexen häufiger vorkamen als bei Mördern und Dieben, beweist nichts, denn es wurde gegen keinen Verbrecher so grausam mit der Folter vorgegangen, wie gegen diejenigen, welche wegen des Teufelsbündnisses angeklagt waren; hier handelte es sich um ein crimen exceptiun, wie der Hexenhammer immer wieder betont. Krämpfe ohne Anwendung der Folter werden von Hexen und Zauberern selten berichtet, immer jedoch von den Besessenen, deren Rolle in den Hexenprozessen wir später besprechen müssen. Zuweilen traten die Krämpfe während der Folter in Verbindung mit Bewusstlosigkeit oder Gefühllosigkeit auf, wie zum Beispiel 1639 bei der Wittwe Lücken zu Arnum in Kaienberg, welche der Zauberei beschuldigt und gefoltert wurde, dabei aber »fürchterliche Verzückungen« bekam und dann einschlief, sodass sie tot zu sein schien. Die Helmstädter juristische Fakultät riet, bei der i\nge- klagten nach Zaubermitteln zu suchen, welche sie »gegen das Be- kenntnis fest machten;,. Trotzdem schlief sie wieder auf der Folter ein. Sie konnte daher zu keinem Geständnis gebracht werden und wurde des Landes verwiesen.^''^j Viel häufiger wird die Empfindungslosigkeit oder das Ein- schlafen der Hexen während der Folter ohne gleichzeitige Krämpfe berichtet. Die Hexenrichter hatten zur Erklärung dieser auffallenden Thatsache die Lehre ausgebildet, dass der Teufel seine Anhänger gegen die Schmerzen der Tortur unempfindlich mache, um sie an dem Gestehen ihrer Verbrechen zu hindern. Gegen dieses nialeficimn tacihtrnitatis wurde das Entfernen der Haare vom ganzen Körper angewendet, da man vermutete, dass zwischen denselben Zauber- mittel versteckt sein könnten. ^^'^) Aber nicht nur von dieser allge- meinen Empfindungslosigkeit wird berichtet, sondern auch, dass es als ein Zeichen von Zauberei galt, wenn einzelne Hautstellen gegen Nadelstiche unempfindlich waren, oder nicht bluteten. Auf dieser Beobachtung beruht die Probe durch das Suchen des Teufels-Stigma. Auch Zustände, welche wir als lange dauernde Anfälle von Bewusstlosigkeit deuten müssen und welche ebenfalls durch die Empfindungslosigkeit der Betreffenden auffielen, galten als ein Zeichen von Zauberei, indem man annahm, der Teufel führe die Seele zum ^'®) Horst, Zauberbibliothek, IV. Seite 333 bis 336. 180-j ][£(illetis maleficarum. Lugduni, 1669. pars III. quaest. 15. pag. 247. 7'](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21078452_0107.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)