Ueber Resectionen und Amputationen / von J.F. Heyfelder ; herausgegeben auf Beschluss und in Rechnung der Kaiserl. Leop.-Carol. Academie der Naturforscher.
- Heyfelder, Johann Ferdinand Martin, 1798-1869.
- Date:
- 1854
Licence: Public Domain Mark
Credit: Ueber Resectionen und Amputationen / von J.F. Heyfelder ; herausgegeben auf Beschluss und in Rechnung der Kaiserl. Leop.-Carol. Academie der Naturforscher. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The Royal College of Surgeons of England. The original may be consulted at The Royal College of Surgeons of England.
42/293 (page 27)
![Oberkieferbeins und der linken Unterkieferhälfte, welche locker wurden und aus- fielen, ohne Zeichen der Caries an sich zu tragen. Gleichzeitig- schwoll hier das Zahnfleisch, wurde missfarbig- und sonderte eine stinkende Jauche ab. Am 11. Ja- nuar, dem Tage des Eintritts in die Klinik, war der ganze Alveolarfortsatz des Unterkiefers, mit Ausnahme des rechten Drittels, in den Krankheitsprocess ver- flochten, das Zahnfleisch bot bis zu dieser Stelle die Beschaffenheit eines Cancer apertus sowohl in Bezug auf Secret, als auch in Bezug auf Aussehen und Consi- stenz, die leiseste Berührung verursachte Schmerz. Dasselbe Bild bot der Alveo- larrand des linken Oberkiefers. Auch participirte hier an dem Aftergebilde die Schleimhaut der Wange. Die Sublingual- und Submaxillardrüsen auf der linken Seite waren angeschwollen, die Entstellung sehr in die Augen fallend, Fieber nicht vorhanden, die Verdauung und der Schlaf gut, der Stuhlgang und die Harn- secretion geregelt. Die schnelle Entwickelung des Uebels, seine Beschaffenheit und auch die mi- kroskopische Untersuchung sprachen für Krebs, der einen operativen Eingriff for- derte, welcher möglicher Weise auf Resection des rechten Oberkieferbeins und der grösseren Unterkieferhälfte auszudehnen war. Ich führte einen am Processus condijloideus, eine Linie vor dem linken Ohre beginnenden Schnitt über den linken Kieferwinkel längs dem äusseren Rande der Mandibula, anderthalb Zoll über die Medianlinie hinaus [_j], und löste die wei- chen Theile sodann von dem Unterkiefer vollständig ab. Es stellte sich jetzt her- aus, dass nur der himbus alveolaris der rechten Seite und des Mittelstücks des Unterkieferbeins von dem Pseudoplasma ergriffen war, während vom linken Drittel und vom aufsteigenden Aste dieser Seite der ganze Knochen darin verflochten erschien. Während ich ursprünglich die Absicht gehabt hatte, gegen zwei Drittheile des Unterkiefers abzutragen, änderte ich jetzt mein Verfahren dahin ab, dass ich auf der rechten Seite und in der Mitte des Unterkieferbeins nur die in die After- bildung verflochtene Alveolarpartie mit der Velpeau’schen schneidenden Zange fortnahm, die linke Kieferhälfte dagegen nach Durchsägung derselben mit der Kel- tensäge am zweiten linken Schneidezahn vollständig exstirpirte. Da bei genaue- rer Untersuchung sich jetzt ergab, dass das Krebsübel am linken Oberkieferbeine sich auf dessen Alveolarfortsatz beschränkte, so nahm ich diesen mittelst der Li- ston’sehen schneidenden Zange fort, exstirpirte sodann die von Krebs ergriffene 4*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22288491_0043.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)