Volume 1
Forschungen und Erfahrungen 1880-1910 / eine Sammlung ausgewählter Arbeiten von Prof. Dr. Sir Felix Semon.
- Felix Semon
- Date:
- 1912
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Credit: Forschungen und Erfahrungen 1880-1910 / eine Sammlung ausgewählter Arbeiten von Prof. Dr. Sir Felix Semon. Source: Wellcome Collection.
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![scheinend nicht verändert. Der linke Muse, crico-arytaenoideus posticus ist so vollständig atrophisch, dass nur einige wenige, dünne, entfärbte, gelbliche Fasern in der Gegend seiner inneren Insertion sichtbar sind, der rechte ist ebenfalls atrophisch, aber in erheblich geringerem Grade. Die anderen Kehlkopfmuskeln sind anscheinend normal mit Ausnahme des linken Muse, crico-thyreoideus, der beträchtlich entfärbt und atrophisch aussieht. Der linke N. laryngeus superior ist intakt1). Fall 21 [Semon2)]. Disseminierte Cerebrospinalsklerose. Doppelseitige Lähmung der Glottisöffner. Gang vom Charakter der Tabes dorsalis; Taubheit (gegenwärtig) in beiden Beinen; Inkontinenz des Urins; geringe linksseitige Facialisparalyse; geringer Nystagmus; Ungleichheit der Pupillen, neuerdings auch Anästhesie der Schleimhaut der oberen Lippe. Die Kehlkopflähmung, welche seit dem Beginne der Beobachtung, d. h. seit 23/4 Jahren unverändert geblieben ist, ging allen anderen Symptomen um fast zwei Jahre voraus! Diese beiden Tatsachen, nämlich die Fortdauer der doppelseitigen isolierten Erweitererparalyse und der lange Zwischenraum zwischen dem Auftreten dieses und aller anderen genannten Symptome, machten mich, als ich diesen Fall vor fast drei Jahren veröffentlichte, ungeneigt, an einen kausalen Zusammenhang zwischen den Kehlkopf- und den anderen Symptomen zu glauben3). Aber der Fall hat dauernd mein Nachdenken erregt und ist in der Tat der Ausgangspunkt der in dieser Arbeit niedergelegten Erwägungen gewesen. Nachdem ich mich überzeugt habe, dass doppelseitige und isolierte Glottisöffnerlähmung das Resultat einer centralen, die Kerne des Vagus und Accessorius affizierenden Läsion sein kann (vgl. Fälle 10, 12, 13, 14), und dass eine die Wurzeln oder Stämme dieser Nerven und des Recurrens affizierende Läsion in einer derartigen isolierten Paralyse resultieren kann, welche lange Zeit hindurch stationär bleibt und nicht notwendigerweise zu retrogressiven Veränderungen in den anderen Kehlkopf¬ muskeln zu führen braucht, kann ich nicht länger umhin, zuzugestehen, dass es sich hier höchst wahrscheinlich um einen äusserst ungewöhnlichen Fall von multipler Cerebrospinalsklerose handelt, dessen erstes und für lange Zeit einziges Symptom die doppelseitige Lähmung der Glottisöffner bildete4). 1) Ving in diesem Falle die motorische Innervation des Crico-thyreoideus vom Recurrens statt vom Laryngeus superior ans?. (Vgl. v. Ziemssen, 1. c. S. 445). 2) Transactions of the Clinical Society 1878. Vol. XL p. 146 and Ibidem 1879. Vol.XIL p. 184. Vgl. Lancet. Vol. I. 1878. p. 630. 3) 4) Während ich die Korrektur dieser Arbeit durchsehe, finde ich, dass Dr. Hering (Warschau) bei dem im letzten Jahre in Mailand abgehaltenen internationalen laryngo- logischen Kongresse einen Fall von Lähmung der Crico-arytaenoidei postici berichtete, in welchem der Kehlkopflähmung „9 Monate später Symptome von Labio-Glosso- 1 haryngealparalyse bulbären Ursprungs folgten, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Syphilis zurückführen liess.“ (VergL Archives of Laryngology, Vol. I, 1880, p. 388.) Die Kürze der Mitteilung lässt natürlich aus derselben keine definitiven Schlüsse ziehen, doch scheint selbst diesem kurzen Bericht zufolge der Fall zur Kategorie der hier besprochenen zu gehören, und dem eben berichteten sehr ähnlich zu sein.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31359966_0001_0038.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)