Volume 1
Forschungen und Erfahrungen 1880-1910 / eine Sammlung ausgewählter Arbeiten von Prof. Dr. Sir Felix Semon.
- Felix Semon
- Date:
- 1912
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Credit: Forschungen und Erfahrungen 1880-1910 / eine Sammlung ausgewählter Arbeiten von Prof. Dr. Sir Felix Semon. Source: Wellcome Collection.
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![stände beträchtlicher fettiger Degeneration, während die Mehrzahl der Fasern intakt war. Sämtliche innere Kehlkopfmuskeln wurden äusserst gründlich untersucht und durchaus normal befunden, mit Ausnahme der Erweiterer (Mm. crico-arytaenoidei postici), welche sich in einem Zustande vorgeschrittener Atrophie und fettiger Degeneration befanden, obwohl sich selbst in ihnen einige Primitivfasern vollständig erhalten zeigten.“ Die mikroskopischen Präparate der Medulla, des Rückenmarks, der Vagi, Recurrentes und der Kehlkopfmuskeln, sowie der Kehlkopf selbst, an welchem in frischem Zustande schon makroskopisch hochgradiger Schwund und gelbliche Verfärbung der Crico-arytaenoidei postici sehr schön sichtbar waren, wurden der laryngologischen Sektion der 59. deutschen Naturforscherversammlung gelegentlich meines Vortrags „Abductorparalyse, nicht Adductorenkontraktur“ am 20. September 1886 vorgelegt. [Dieser Leichenbefund ist in der neueren Kontroverse über den centralen oder peripheren Ursprung der Kehlkopflähmungen bei Tabes hartnäckig über¬ sehen worden, obwohl ich ihn auch wörtlich in meiner Antwort an Herrn Grossmann zitiert habe. (Vergl. Archiv f. Laryngol. 1897. Bd. VI. S. 574.) Zusatz 1911.] Es kann nach dem weiteren klinischen Verlauf, wie nach dem Leichenbefunde kein Zweifel obwalten, dass es sich hier um einen Fall von Tabes gehandelt hat, in welchem die Glottisöffnerlähmung, kom¬ pliziert durch spastische Erscheinungen1) allen anderen subjektiven Symptomen um fast zwei Jahre vorausgegangen ist. Ich wünsche nur einige Worte zur Erklärung meiner langen Zweifel und wiederholten Aenderungen in der Diagnose des Grundleidens hinzu¬ zufügen. Heutzutage, wo wir eine vollständige Lehre von den Kehlkopf¬ komplikationen der Tabes besitzen, wo wir wissen, dass die Symptome von Seiten des Kehlkopfes allen anderen subjektiven Erscheinungen des Leidens *um lange Zeit vorhergehen können2), wo wir in dem Fehlen der Sehnenreflexe, in der reflektorischen Pupillenstarre zuverlässige An¬ haltspunkte für die Erkenntnis der Hinterstrangsklerose in ihren An¬ fangsstadien gewonnen haben, mag es allerdings verwunderlich erscheinen, dass man über den kausalen Zusammenhang der verschiedenen zur Zeit meiner ersten Mitteilung vorhandenen nervösen Symptome überhaupt irgend welche Zweifel hegen konnte. Zur Erklärung möchte ich indessen folgendes zu bedenken geben: In erster Stelle war zur Zeit meiner ersten Mitteilung überhaupt nichts über das Auftreten von Kehlkopflähmungen bei der Tabes bekannt. Der vorliegende Fall ist vielmehr, wie ich ausdrücklich hervorheben möchte, soweit mir bekannt, chronologisch überhaupt der erste, in welchem die Existenz einer doppelseitigen Glottisöffnerlähmung bei der Tabes laryngo- U Vgl. meine erste Mitteilung in den Transactions der Clinical Society. 2) \ gl. besonders die treffliche Arbeit AAeil’s: Lähmung der Glottiserweiterer als initiales Symptom der Tabes dorsalis. Berliner klin. Wochenschr. 1886. No. 13.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31359966_0001_0040.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)