Volume 1
Forschungen und Erfahrungen 1880-1910 / eine Sammlung ausgewählter Arbeiten von Prof. Dr. Sir Felix Semon.
- Felix Semon
- Date:
- 1912
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Credit: Forschungen und Erfahrungen 1880-1910 / eine Sammlung ausgewählter Arbeiten von Prof. Dr. Sir Felix Semon. Source: Wellcome Collection.
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![skopisch konstatiert worden ist. Zweitens ging, wie bereits erwähnt, das Zustandekommen der kompletten doppelseitigen Erweitererlähmung um fast zwei Jahre dem Auftreten irgend welcher anderer nervösen Symptome vorher. Ob schon zu jener Zeit Mangel des Patellarreflexes und mangelnde Pupillarreaktion auf Lichteindriicke vorhanden waren, kann ich nicht sagen, da — wie ich ebenfalls hervorheben möchte — die Bedeutsamkeit beider Phänomene für die frühzeitige Diagnose der Tabes erst etwa gleichzeitig mit meiner Publikation, bezw. später als dieselbe, bekannt wurde. Endlich verdient der Umstand der Erwägung, dass die anderweitigen Nervensymptome, welche sich zwei Jahre nach der Etablierung der Er¬ weitererlähmung zu dieser gesellten, nämlich: fibrilläre Zuckungen in den Beinen, besonders links, geringe Ptosis des linken Augenlides, Ungleich¬ heit der Pupillen, Nystagmus, geringe linksseitige Facialisparalyse, an¬ fänglich nichts weniger als typisch für Tabes waren, sondern weit eher an disseminierte Oerebrospinalsklerose mit teilweiser Lokalisation von Herden in den Hintersträngen denken Hessen. Für einen teilweisen Sitz der Herde in letzteren sprachen: das hochgradige Ermüdungsgefühl, die, wenn auch unbedeutenden, Sensibilitätsstörungen in den Beinen, die ge¬ legentliche Inkontinenz des Urins und vor allen Dingen: die freilich längere Zeit sehr unbedeutenden Motilitätsstörungen der Beine. Ich habe daher schon 1880 in der hier übersetzten Arbeit mit vollem Bewusstsein vom „Gang vom Charakter der Tabes dorsalis“ gesprochen. Dass es sich aber in der Tat um einen echten Fall dieses Leidens handelte, bei dem die doppelseitige Erweitererlähmung bei weitem das früheste Sym¬ ptom bildete, Hess sich erst bei weiterer Entwickelung der Krankheit und fortschreitender Kenntnis unseres Wissens von der Symptomatologie der Tabes erkennen. Jedenfalls darf dieser Fall, wie ich denke, aus folgenden Gründen auf besondere Beachtung Anspruch machen: 1. Es ist der erste Fall laryngoskopiseh beobachteter doppelseitiger Glottisöffnerlähmung bei der Tabes. 2. Die Kehlkopflähmung ging allen anderen subjektiven Symptomen um fast zwei Jahre voraus. 3. Sie blieb, während die letzteren fortschritten, von dem Augenblick, in welchem der Patient unter Beobachtung kam (19. März 1878) bis zu seinem Lebensende (etwa 20. November 1885), also 7l/2 Jahre völlig unverändert. 4. Die Autopsie und mikroskopische Untersuchung der affizierten Teile erklären vollständig die während des Lebens beobachteten Kehl¬ kopfphänomene. 5. Der Fall ist der Ausgangspunkt der Lehre von der grösseren Vulnerabilität der Glottiserweiterer gewesen. Fall 22. [L. Weber1).] Doppelseitige Glottisöffnerlähmung nach Abdominaltyphus. Tracheotomie. 2l/2 Monate später Pncu- 1) Berliner kiin. Wochenschr. 1880. No. 29. S. 412.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31359966_0001_0041.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)