Über die Raumwahrnehmungen des Tastsinnes : ein Beitrag zur experimentellen Psychologie / von Victor Henri.
- Victor Henri
- Date:
- 1898
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Credit: Über die Raumwahrnehmungen des Tastsinnes : ein Beitrag zur experimentellen Psychologie / von Victor Henri. Source: Wellcome Collection.
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![Eäumlichkeit der Tastempfindungen voranssetzt, und dass sie niclit die Eaimivorstellung auf eine besondere Art der Verschmelzung iin- räumliclier Elemente zurückfüliren kann. Sie erklärt vielmehr die Eaimivorstellung durch eine Verschmelzung schon räumlicher Ele- mente. Dass diese Elemente räumlich sind, kann man schon daraus schliessen, dass sie eine punktförmige Beschaffenheit besitzen. Eigent- lich hätte also die Theorie von Lipps nicht in diesem Paragraphen behandelt werden sollen. Ich habe sie hier nur deshalb dargestellt, weil sie vorgiebt, die Eäumlichkeit durch eine besondere Kombination unräumlicher Empfindungen erklären zu können’). B] Eine Tastempfindung ist im primitiven Bewusstsein 6. nicht räumlich; diese Eäumlichkeit wird nur mit Hülfe anderer Empfindungsarten gebildet. Die Empfindungen, mit Hülfe welcher nach der hier erwähnten Annahme die Eäumlichkeit der Tastempfindungen sich herausbildet, sind die Bewegungsempfindungen. Hierher gehören einerseits die Theorien der englischen Empiristen Brown, James Mill, J. St. Mill, Baix, Spencer und die von Taine, andererseits die Theorien der »psychischen Chemie« von Stein- nucH und AVundt. Die ersteren behaupten, dass die Bewegungs- empfindungen die Grundlage der Eaumvorstellung bilden, ja dass sogar die Eaumvorstellung sich auf Bewegungsempfindungen redu- cieren lasse. Die anderen behaupten dagegen, dass die Eäumlichkeit als etwas Keues aus der Synthese der Bewegungs- und Tasteniiofin- dungen entstehe, und dass weder die Bewegungs- noch die Tast- empfindungen ursprünglich eine Eäumlichkeit haben. Die Theorie der englischen Empiristen ist in ihren wichtigsten Zügen schon von Brown 2) und James entwickelt worden, 1) Diese Theorie von Lipps hat einen grossen Beifall hei einigen Psycho- logen gefunden; so sagt z. B. James, dass Lipps der Autor ist »whose deduction of space from an Order of nonspacial differences, continuous yet separate, is a wonderful piece of subtlety and logic« (Principles of Psychol. II. S. 280). Es ist aus unserer Darstellung der Theorie von Lii'PS ersichtlich, dass unsere Meinung' von dieser Theorie mit derjenigen von Ja:mes gar nicht übereinstimmt. 2) BromN, Lectures on tbe philosophy of thc human mind. Vol. I. 1820. S. 487—587. 3) Ja:mes Mill, Analysis of the phenomcna of thc human mind. Ausgabe von 1869. Yol. II. S. 142—163. Hier sind auch wichtige Anmeldungen von Bain und .1. St. Mill.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28135520_0201.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


