Über die Raumwahrnehmungen des Tastsinnes : ein Beitrag zur experimentellen Psychologie / von Victor Henri.
- Victor Henri
- Date:
- 1898
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Credit: Über die Raumwahrnehmungen des Tastsinnes : ein Beitrag zur experimentellen Psychologie / von Victor Henri. Source: Wellcome Collection.
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![gelangt dasBe^vusstsein zur Vorstellung der räumlichen Koexistenz, und nur dann erscheinen dem Bewusstsein die Tastemphndungen räumlich; diese Bäumlichkeit besteht aber wie ersichtlich in nichts anderem als in gewissen Bewegungsvorstellungen. 9. Stumpf hat eine ausführliche Kritik dieser Theorie gegeben und kommt hierbei zu folgenden Schlüssen: »1.« »Es gieht Fälle, wo alle von Bain hezeichneten Momente vorhanden sind, und doch nicht Baum vorgestellt wird.« »2.« »Es gieht Fälle, wo nicht alle diese Momente vorhanden sind, und wir doch Baumvorstellung haben.« (Stumpf, Baunivor- stellung. S. 54.) Als Beispiel für diejenigen Fälle, in denen alle Bedingungen erfüllt sind und doch kein Baum vorgestellt wird, gieht Stumpf das Singen einer Beilie von Tönen r, c, /. Man erhält Muskeleni- ])findungen (der Kehlkopfmuskeln) und eine Beihe vonTonemphndungen, die hei der Umkehrung der Bewegung sich auch umkehrt, hei ihrer Wiederholung sich wiederholt, und der auch keine bestimmte Schnellig- keit vorgeschriehen ist. Man hat also hier, nach Stumpf, alle Ele- mente, die, nach Bain, die Baumvorstellung konstituieren, aber man hat die Baumvorstellung nicht. Es ist aber, wie ich glaube, leicht zu sehen, dass dieses Beispiel nicht triftig ist. Bain nimmt ja an, dass die IMuskelempfindungen von drei verschiedenen Arten sein müssen (Widerstands,- Dauer- und Schnelligkeits-Einphndungen), damit sie zur Baumvorstellung führen können; es ist aber sehr zweifelhaft, oh man in demselben Sinne, wie für die Arm- und Augenmuskeln, auch für die Kehlkopfmuskeln die obigen drei Arten von jMuskelempfindungen annehmen kann. Ferner ist noch eine Bedingung in dem Beispiele von Stumpf gar nicht erfüllt: in der Theorie von Bain wird gefordert, dass, wenn wir zwei Gegen- stände A und B haben, und wenn wir beide mit demselben Tastorgan hleni Finger z. B.) berühren wollen, wir dies nur so thun können, dass wir zwischen die Berührung von A und die Berührung von B eine (kontinuierliche) Beihe von jMuskelempfindungen einsclialten. J)iese Bedingung ist aber von Stu:mpf übersehen worden, und sie Avird auch in der ddiat heim Singen von Tönen gar nicht erfüllt; denn wir können von dem Ton c zum Ton f auch sprungAveise über-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28135520_0206.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


