Über die Raumwahrnehmungen des Tastsinnes : ein Beitrag zur experimentellen Psychologie / von Victor Henri.
- Victor Henri
- Date:
- 1898
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Credit: Über die Raumwahrnehmungen des Tastsinnes : ein Beitrag zur experimentellen Psychologie / von Victor Henri. Source: Wellcome Collection.
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![Steinbuch erklärt die Bildung der Vorstellung des zweidimen- sionalen und dreidimensionalen Raumes durch die Verschmelzung, oder, wie er sagt, durch die chemische IMischung zweier oder mehrerer Bewegungsideen (— Muskelempfindungen); ebenso nimmt er eine chemische Mischung der Bewegungsideen mit den Tast- emphndungen an, um die Raumvorstellung des entwickelten Bewusst- seins zu erklären. Für die Tastempfindungen nimmt Steinbuch die Existenz lokaler Färbungen an, und man findet hei ihm eine Theorie der Lokalzeichen, die derjenigen von Lotze und von Wundt sehr ähnlich ist (S. 120—125. Ich bemerke, dass das Buch von Steinbuch im Jahre 1811 erschienen ist.) WuNDT hat an vielen Stellen über die Entstehung der Raum- vorstellungen geschrieben^). Seine Theorie steht, nach ihm, in der Mitte zwischen der nativistischen und der empiristischen Theorie, denn einerseits sieht sie die Raumanschauung für keine angeborene Energie der Seele an, andererseits aber muss, nach ihr, die Raum- anschauung denjenigen Vorgängen, die unter dem Begriff der Er- fahrung zusammengefasst werden, vorausgehen: »Alle Erfahrung be- zieht sich auf die Unterscheidung der Dinge, ihrer Eigenschaften und Zustände, auf die Verhältnisse der Abhängigkeit und Wechsellie- stimmung, in denen sich die Dinge von einander befinden. Der Bildung und Anwendung dieser Erfahrungsbegriffe muss aber not- wendig die allgemeine räumliche Ordnung der Empfindungen voran- gehen. Zeit und Raum, als die notwendigen Bedingungen der Erfahrung, können eben darum nicht selbst aus der Erfahrung stammen. Aber es ist nicht erlaubt, hieraus zu schliessen, wie es der Vativismus thut, dass Zeit und Raum angeborene Formen des Vorstellens seien. Zwischen der angeborenen Form und der empirischen Vorstellung giebt es ein Mittleres: die Entstehung eines psychischen Produktes ly WuNDT, Beiti’ä^e zur Theorie der Siuneswahnielimungen. 1862. S. 26—65. — Vorlesungen über die Menschen- und Tierseele. l.Aufl. 1863. Bd. I. S. 241 —285; 2. Aufl. 1892. S. 160—181. — Neuere Leistungen auf dem Grebiete der physiologischen Psychologie. Viertel]ahrschr. für Psychiatrie. 1867. — Über die Entstehung räumlicher Gesichtswahrnelimungcn. Philos. ]\[onat.shefte. Bd. TU. — 8ur la theorie des signes locaux. Rev. Philos. 1878. I3d. 6. S. 217—231. — Phy- siologische Psychologie. 4. Aufl. 1893. Bd. II. S. 32—46 u. 215—234. — Logik. 2. Aufl. 1893. Bd. I. S. 505—515. — Philosophische Studien. Bd. Ifl. etc. Henui, Tastsinn. ] 3](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28135520_0209.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


