Kurzes Lehrbuch der Physiologie des Menschen / von Dr. Johannes Gad ... und Dr. J.F. Heymans.
- Johannes Gad
- Date:
- 1892
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Credit: Kurzes Lehrbuch der Physiologie des Menschen / von Dr. Johannes Gad ... und Dr. J.F. Heymans. Source: Wellcome Collection.
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![Pjlorus, welclier sich durch einen noch unbestimmten reflectorischen Mechanismus eröffnet und den Chymus in das Duodenum überfliessen lässt. Im Magen werden die in Wasser löshchen und die durch Salz- säure lösHch gemachten Substanzen gelöst. Salz-, Glycose- und Pepton- lösungen werden in beträchtlicher Menge durch die Magenschleimhaut resorbii't; Fette werden hier durch die Körpertemperatur theilweise ver- flüssigt, aber weder resorbirt, noch zur Resorption vorbereitet. Die Magenverdauung, respective die Peptonisii'ung der Eiweissstoffe dauert verschieden lange, je nach der Form der Speisen, von wenigen Minuten bis zu 5 Stunden; nach dieser Zeit bemisst sich die Verdaulichkeit der Speisen für den Magen; sie hängt natürlich für jede Eiweissart von den ihr beigemischten Stoffen ab. Durchschnittlich werden die der Hitze nicht unterworfenen Eiweissstoffe schneller verdaut. Die Milch mrd im Magen durch das Laabferment erst geronnen, wobei seine Salze und der ]\Iilchzucker in Wasser gelöst bleiben; dieser Milchzucker und auch andere Zuckerarten können anormalerweise Älilchsäure, Fettsäure und Kohlensäure bilden. Das Case'in der geronnenen Milch wird peptonisirt und die Fettkügelchen der Butter werden hierdurch freigemacht. Die leimgebenden Substanzen des Fleisches werden als Leimpeptone gelöst; dadurch werden die Fetttropfen der Fettzellen und die Muskelfasern isolirt. Letztere zerfallen in Fibrillen und in Scheiben. Die Eiweiss- stoffe der thierischen Gewebe werden so dem Magensafte zugänglicher und die Peptonisirung schreitet schneller weiter. Das pflanzliche Ei- weiss ist von Cellulosemembran umgeben, welche die Yerdauungsflüssig- keit des Magens nicht zu lösen vermag, daher ist das Eiweiss der pflanz- lichen Gewebe schwerer verdaulich; das Kochen in Wasser macht die pflanzlichen Zellen quellen und bersten und befördert also die Verdauung. Beim Menschen wie bei den meisten Thieren ist die Magenverdauung intermittirend, bei Pflanzenfressern dagegen ist sie continuirlich. Verschiedene Anhäufungen automatischer Ganglienzellen — denen des Herzens analog — liegen in der Magenwand zerstreut, sie empfangen die centripetalen Nervenfasern der Schleimhaut und stehen durch Vagus- und Sympathicusfasern mit Centren des Centralnervensystems (MeduUa und Grosshirnj in Verbindung. Die peripherischen Centren stellen wahrschein- lich die coordinirten Bewegungen der Cardia, der Magenwand und des Pylorus her, und reguliren die Circulation und Secretion. Beim Erbrechen wird der Pylorus geschlossen und die Cardia geöffnet gehalten, während heftige Contractionen der Bauchmuskeln und des Diaphragma den Magen- inhalt unter hohen Druck versetzen und durch die ihm freistehende Oeffnung hinausspritzen; die Magenmuskulatur spielt hierbei keine wesentlich active Rolle, Der in das Duodenum übertretende Chymus setzt reflectorisch die](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21221601_0512.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)