Untersuchungen über den Generationswechsel von Trichosphaerium sieboldi Schn / von Fritz Schaudinn.
- Fritz Schaudinn
- Date:
- 1899
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Credit: Untersuchungen über den Generationswechsel von Trichosphaerium sieboldi Schn / von Fritz Schaudinn. Source: Wellcome Collection.
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![Eine älinliche Schilderung hat R. Herrwig von der Bildung der Kernplatte« von Actinosphaerium gegeben. »Die Entwickelung der Kern- platte ist dadurch bedingt, dafs sich Körnchen in der Gegend des Aequa- tors anhäufen. Aufserdem scheinen auch die einzelnen Körnchen unter einander zu verschmelzen, so dafs aus Vereinigung mehrerer kleinerer ein gröfseres Element entsteht.« Brauer (95) hat beim encystirten Actino- sphaerium schon auf viel früheren Kernstadien deutlich zweitheilige Chro- mosomen gefunden und bezweifelt daher die Angaben Hertwig’s über die Chromosomenbildung. Doch scheint mir, als ob Brauer etwas zu stark die Übereinstimmung der Protozoenkerntheilung mit der bei ]\Ietazoen be- tont und bei seiner Arbeit, vielleicht unbewufst, bemüht gewesen ist, diese Übereinstimmung in allen Punkten aufzufinden. Meine Beobachtungen an Trichosphaerium bestätigen für dieses Object die Anschauungen Hertwig's vollkommen, und dieser Forscher hält auf Grund einer Keuuntersuchung der Ar/mosj?Äae;’m/>?-Kerntheilung gegenüber Brauer an seinen alten Angaben fest. Dafs bei Trichosphaerium die Chromosomen einheitliche Fdemente dar- stellen und nicht schon von Anfang an in zwei Theile diflerenzirt sind, wie diefs sich bei vielen Metazoenzellen und auch schon bei einigen Pro- tozoen [Amoeha hinucleata, Radiolarieu) findet, geht deutlicher als aus ihrer Bildung noch aus der Art ihrer Theilung hervor. Die Entstehung der Tochterplatten. In der fertigen Aeipiatorialplatte sind die einzelnen Chromosomen einheitliche, kurze stäbchenförmige Ge- bilde, die mit den stärksten Vergröfserungen keinerlei feinere Structur er- kennen lassen; sie sind alle parallel in der Aequatorialebene gelagert und lassen zwischen sich kleine farblose Spalträume frei, die mit Kernsaft ge- füllt zu sein scheinen. Besser als die Seitenansicht belehrt uns hierüber die Polansicht der Aequatorialplatte, wie sie in Fig. 26 gezeichnet ist. Hier sieht man, dafs es eine kreisrunde Scheibe ist, die in allen ihren Theileu gleichmäfsig von den nun als Körnchen erscheinenden Chromosomen er- füllt ist. Die letzteren liegen in den Knotenpunkten eines feinen Linin- netzwerks, ein Beweis, dafs die Lininalveolen auch die Aequatorialplatte durchsetzen; die Lininzüge gehen also von Pol zu Pol als continuirliche Maschenreihen. Fig. 27 zeigt den Querschnitt der Keruspindel über der Aeiiuatorialplatte und erklärt sich danach von selbst. Die Tochterplatten werden aus der Aequatorialplatte durch Spaltung in zwei gleiche Hälften gebildet. Hierbei streckt sich jedes einzelne Chro-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28081067_0082.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)