Untersuchungen über den Generationswechsel von Trichosphaerium sieboldi Schn / von Fritz Schaudinn.
- Fritz Schaudinn
- Date:
- 1899
Licence: Public Domain Mark
Credit: Untersuchungen über den Generationswechsel von Trichosphaerium sieboldi Schn / von Fritz Schaudinn. Source: Wellcome Collection.
84/112 (page 80)
![das Chromatiii deutliclie Anzeiclien pathologischer Veränderung aufweist; so ist es z. B. in Fig. 39 nicht in Platten angeordnet, sondern in unregel- mäfsigen Körnern durch die Poltheile des Kerns zerstreut. In Übereinstimmung mit den Angaben Ilertwig’s (82) und Brauer's (95) Actinosphaeriuyn glaube ich für Trichosphaerium mit Sicherheit be- haupten zu können, dafs die Kernmembran auf die Tochterkerne übergelit. Auf keinem Stadium findet eine Auflösung oder Lückenbildung statt, son- dern das umgebende Plasma bildet stets einen deutlichen Alveolarsaum um den scharf conturirten Kern. Nnch der Trennung der beiden Toehterkerne wird der Zipfel, in welehen sie nach der Mitte zu kurz nach der Durch- schnürung auslaufen, allmählich eingezogen. Die neuen Kerne runden sich ab, die Chromatinplatten lösen sich in Körnchen auf, die sich wieder durch den ganzen Kernraum vertheilen, und die Lininstructur wird unregelmäfsig maschig (Fig. 35—37). Durch Zusammenhäufen von Chromatinkörnchen an einer Stelle (Fig. 37) und Verschmelzung derselben zu einem kugeligen Kör- per (Fig. 38) entsteht ein Binnenköriier, und das Stadium des ruhenden Kerns, von dem wir beim Beginn der Kerntheilung ausgiengen, ist wieder erreicht (Fig. 38). Die hier geschilderte Art der Kerntheilung documentirt sich als Mitose durch die Umlagerungen, welche die chromatische Sub- stanz während derselben erleidet. Doch ist diesellie gegenüber den com- plicirten Vorgängen, welche sich bei der karyokinetischen Kerntheilung der Metazoen und einzelner Protozoen (Heliozoen) abspielen, sehr primitiver Art. Sie stimmt bezüglich des chromatischen 'riieils vollständig mit der Mitose der Actinosphaer'ium-KQvvm (nach Hertwig [82] und Brauer [94]) überein, während der achromatische auf noch niederer Stufe steht. Fis fehlen die dort vorkommenden Poldifi’erenzirungen (Pol])latten und Proto- ])lasmakegel) noch vollständig. Hierin schliefst sich Trichosphaeriinu an die Kerntheilung des Makronucleus der Infusorien oder noch besser an die von Lauterborn (95) bei Ceroüum beobachtete an. Fline Mittelstellung zwi- schen diesen Formen und Actmosphaerium nimmt Amoeba blnucleata ein, wo nach meinen (94) Untersuchungen die betrelTenden Poldilferenzirungen nur sehr schwach entwickelt sind. Der Schilderung der normalen Kernverhältnisse des Trichosphaerium möchte ich noch einige Beobachtungen über patliologisehe Degeneration und über den Untergang der Kerne hinzufügen, weil hierüber bei Protozoen meines Wissens noch gar nichts Sicheres bekannt geworden ist.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28081067_0084.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)