Ueber die Ligatur der Carotis : Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doctors der Medicin verfasst und mit Bewilligung einer hochverordneten medicinischen Facultät der Kaiserlichen Universität zu Dorpat zur öffentlichen Vertheidigung bestimmt / von Julius Friedlaender ; ordentliche Opponenten W. Koch, F. Hoffmann, E. v. Wahl.
- Friedlaender, Julius.
- Date:
- 1881
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Credit: Ueber die Ligatur der Carotis : Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doctors der Medicin verfasst und mit Bewilligung einer hochverordneten medicinischen Facultät der Kaiserlichen Universität zu Dorpat zur öffentlichen Vertheidigung bestimmt / von Julius Friedlaender ; ordentliche Opponenten W. Koch, F. Hoffmann, E. v. Wahl. Source: Wellcome Collection.
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![das Blut, welches unter, für die Circulat. ungünstigen, Verhältnissen (Breiterwerden des Strombettes ohne Verengung der einzelnen Gefässe, vielfach eingeschaltete Theilungswinkel) eine so grosse Strecke zurücklegen muss, mit der gehörigen Kraft zu bewegen. Diese Anschauung spricht direct gegen den berühmten Fall von A. W. Smith ') fAneur. der Subclavia, Ligatur der Anonyma und Carotis; am 14. Tage Blutung und Syncope; Wiederholung der Blutungen zwangen zur Unterbindung der Vertebralis, weil Smith über- zeugt war, dass die Blutung aus dem peripherischen Ende kommen müsse und in der Idee, dass durch die Vertebralis am schnellsten Blut von Hirn abgeleitet werde und somit, wenn diese Arterie als Quelle der Blutung angesehen werde, der schnelle Eintritt der Syncope am leichtesten erklärt werden könne. Erster Fall von Heilung einer Anonymaligatur!] Denn in diesem Fall wurde der Circulus Willisii nur von einer Carotis gespeist und konnte somit kaum noch die Basilaris durch rückläufigen Strom ver- • sorgen, so dass die bedeutenden (!) Nachblutungen aus dem Truncus thyreo-cervicalis, welcher an der Basis 7 Mm. dick (Luschka) durch zahlreiche Anastomosen mit dem Truncus thyr.-cervic. der andern Seite in Verbindung steht, erfolgt zu sein scheinen, welche Anastomosen auch Koch (1. c. pag. 207) an den peri- pheren Nachblutungen beschuldigt, wenn gleich er freilich gleichzeitig auch die Möglichkeit einer Nach- blutung aus Vertebralis zugiebt. Der günstige Ausgang dieses Falles spricht für die Ansicht von Smith und der Umstand dass es der erste Fall von Heilung einer Anonymalig. ist, rechtfertigt die Zahl der Anhänger welche behaupten, man müsse in solchen Fällen immer die Vertebralis mitunterbinden. Doch die Erfah- rung und die Ueberlegung sind gegen diese Ansicht, nach welchen das Blut nach Verlust solcher Span- nung keine bedeutende Nachblutung liefern kann. Somit ist der günstige Erfolg in diesem Falle auf die Fortsetzung des Thrombus der Vertebralis bis in die Subclavia hinein und dadurch Begünstigung der all- gemeinen Thrombenbildung zurückzuführen. Ferner betone ich auch, dass ein Fall kein Beweis ist, weil Zufälligkeiten den glücklichen Ausgang verursacht haben können; dass ferner von allen Fällen von Liga- tur der Carotis cornm. und Subclavia welche doch der Ligatur einer Anonyma gleichkommt, und über- haupt von allen Fällen von Ligatur der Subclavia (bis 1868, soweit mir diese Fälle in Koch’s Arbeit (1. c.) zugänglich waren) nur in Pilz 580 [Aneur. der Subcl. Ligatur der Carotis, Blutung; Ligatur der Vertebralis und nach 12 Tagen Ligatur der Subclavia innerhalb der Scaleni f Blutung. Das periphere Ende der Subclavia ulcerirt] die Vertebralis unterbunden worden ist und zwar vor Ligatur der Sub- clavia, gleichsam um die Ligatur der Subclavia zu umgehen, indem möglicherweise von der Ligaturstelle der Vertebralis sich die Thrombusbildung in die Subclavia fortsetzen würde. Auch Tabelle I 123 beweist durch den Umstand, dass der Thrombus der Subclavia sich in alle Aeste des ersten und zweiten Theils fortsetzte, also auch in Vertebralis, zur Genüge, dass die Circulation sich durch diese nicht her- gestellt haben konnte. — Endlich muss ich noch gegen die Bemeikung von Smith auftreten, dass es nehmlich in diesem Fall von grosser Bedeutung für die Ernährung des Armes war, dass die Vertebralis erst später ligirt wurde, indem nach Smith diese nach Ligatur der Subclavia zur Ernährung des Armes herange- bildet werde, wofür Brodowsky2) als Beweis anführt, dass nach Verstopfung der Carotis comm. und kommen. Raynaud (ibidem) meint: „Wenn man eine solche Blutung aus der Bifurcation stillen wollte, müsste „man alle Wege versperren, Carotis comm., ext., int. und Thyreoi'd. sup. ligiren und ausserdem die Carotis ext. „oberhalb der Thyreoidea ligiren, da sonst Facialis und Lingualis mitzuunterbinden wären. Eine solche Operation „von Maisonneuve (Pilz 435) und von Langenbeck (Pilz 494) ausgeführt, würde einer Vivisection gleich- „kommen und pyäm. Infection zur Folge haben.“ — Zu dieser Discussion, deren falsche Ansichten einleuchtend sind, habe ich nur zu bemerken, dass sie aus dem Jahre 1871 stammt; heute denken wir über den Werth der Anasto- mosen ganz anders (cf. unten) und müssen Madelung vollkommen beistimmen, wenn er sagt: „Mit jeder neuen „Unterbindung und der dazu nöthigen weiteren Offenlegung der ganzen Carotis externa wächst die Gefahr der „N achblutung“. 1 Pilz 581, Americ. Journal of med. Sc. Juli 1866. pag. 280. 2 Yirchow-Hirsch, Jahresbericht 1876, I pag. 284.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22291866_0088.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)