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Credit: Toxine und Antitoxine. Source: Wellcome Collection.
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![mit anderen Toxalbuminen des Tier- und Pflanzenreiches, nämlich den Schlangengiften und ähnlichen Toxalbuminen einerseits und den von Kobert und seinen Schülern zuerst genauer bearbeiteten giftigen Pflanzen- eiweißen Ricin, Abrin und Krotin andererseits. Die wichtigste Kon- sequenz dieser Anschauung wurde erst später, besonders von Ehrlich, Calmette u. a. gezogen, dass nämlich thatsächlich die spezifischen Bakteriengifte in einer fundamentalen Eigenschaft sich mit den er- wähnten Zellprodukten höherer Organismen treffen, nämlich in der Bil- dung spezifischer »Antikörper« im Organismus des angegriffenen Tieres, so dass für ihre Wirksamkeit ganz allgemein die EiiRLicusche Seitenkettentheorie herangezogen werden kann. Diese Gifte sind im EuRLiCHSchen Sinne »Haptine« und es ist prinzipiell von geringerer Bedeutung, welches ihre Provenienz ist. Briegers großes Verdienst ist es, zuerst die Bakterientoxine in Beziehung zu anderen bekannten Gift- stoffen gebracht zu haben. Daneben ist es nicht sehr wesentlich, wenn Briegers Ansichten, und zwar nicht zum mindesten durch seine eigenen Arbeiten, in zwei Punkten eine Modifikation erleiden mussten. Zunächst gelten diese festgestellten Beziehungen zu den anderen Toxalbuminen nicht für alle von Brieger dargestellten Bakteriengifte: eine große Zahl derselben sind Stoffe von nicht spezifischer Natur, nicht vergleichbar dem Ricin u. s. w., weil sie keine Haptiue sind; es bleiben im wesent- lichen eigentlich nur die Gifte der Diphtherie, des Tetanus, Bac. Botu- liuus und Pyocyaneus als Typen der echten Toxine (sowie das Tetanolysin, Staphylolysin und Staphyloleukocidin, wahrscheinlich auch die blutlösenden Gifte anderer Bakterien), zu denen sich noch einige andere, wahrscheinlich hierher gehörige gesellen, z. B. Cholera und Typhus; außerdem aber hat Bkieger selbst später seinem Diphtherie- toxin die Eiweißnatur abgesprochen, ebenso ist sie für das Ricin sehr zweifelhaft geworden, während die Schlangengifte auch nach dem heu- tigen Stande unserer Kenntnisse Proteine zu sein scheinen. Indessen ist das prinzipiell ebenso untergeordnet, wie wir bei den so ähnlichen Fermenten vermutlich neben wirklichen Proteinen (Trypsin, Diastase [?]) auch hochmolekulare Stoffe anderer Art (Pepsin, Invertase) finden. Der Begriff des eigentlichen »Toxins« ist danach für die Bakteriengifte in folgender Weise zu entwickeln. Alle Bakterien erzeugen in den sie beherbergenden Medien irgend welche chemische Substanzen. Wenn auch viele der auf verschiedenste Weise dargestellten Bakterien- stoffe Produkte sekundärer Umwandlungen durch zu eingreifende che- mische Manipulationen sind, so ist doch sicherlich ein Teil derselben ein primäres Produkt des bakteriellen Stoffwechsels. Diese Stoffwechselprodukte sind zum Teil mehr oder weniger heftige Gifte. Darin unterscheiden sich generell die pathogenen Mikroben nicht von den für die Krankheitsentstehung gleichgiltigen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21009302_0012.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


