Vorlesungen uber den Bau der nervosen Zentralorgane des Menschen und der Tiere : fur Arzte und Studierende.
- Ludwig Edinger
- Date:
- 1904
Licence: In copyright
Credit: Vorlesungen uber den Bau der nervosen Zentralorgane des Menschen und der Tiere : fur Arzte und Studierende. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by UCL Library Services. The original may be consulted at UCL (University College London)
16/416
No text description is available for this image
No text description is available for this image
No text description is available for this image![zeichnen, deren Beziehungen zu der sie durchquerenden Balkenfaserung er zuerst erkannte; die Schleife und ihr Ursprung aus den Vierhugeln, der Linsenkern, die Insel und vieles andere haben erst seit seinen Untersuchungen Aufnahme in die Anatomie gefunden. So recht wie ein Markstein steht am Ausgangspunkt dieser alteren Periode Burdachs Buch „Vom Bau und Leben des Gehirnes, das, 1819 e-rschienen, alles bis dahin Geleistete treu zusammenfafit und vieles Neue klarend hinzufugt. Man bediente sich, bis zur Mitte unseres Jahrhunderts etwa, ganz vorwiegend der anatomischen Zergliederung mit dem Messer und der Abfaserung geharteter Gehirnstlicke mit der Pinzette. Gall, Burdach, Reil, F.Arnold, Foville haben unter Benutzung der letzteren Methode viel Neues entdeckt. Tiedemanns und Reicherts Verdienst ist es wesentlich, dafi man auf dem Wege der Entwick- lungsgeschichte die allgemein morphologischen Verhaltnisse besser verstehen lernte. Seit aber Ehrenberg (1833) dargetan hatte, dafi das „Seelen- organ aus zahllosen allerfeinsten „R6hrchen zusammengesetzt sei, seit Remak die schon Ehrenberg und Valentin bekannten Ganglien- zellen genauer beschrieben (1838) und Hannover (1840) deren Zusam- menhang mit den Nervenfasern nachgewiesen hatte, war es offenbar, dafi die einfache Zerfaserung nicht imstande sein konne, die erstrebte Ein- sicht in den Bau und Zusammenhang der Zentralorgane zu verschaffen. Es ist das grofie Verdienst von B. Stilling, eine neue Methode ein- gefiihrt und getibt zu haben: die Anfertigung von diinnen Schnitten oder vielmehr ganzen Schnittserien, die in verschiedenen, aber bestimmten Richtungen durch das Organ gelegt werden '), Die so erhaltenen Pra- parate wurden genau durchforscht, ihre Bilder kombiniert und so die Anordnung und der Aufbau des zentralen Nervensystems rekonstruiert. Durch diese Methode und durch die Studien, die er unter ihrer Be- nutzung anstellte, hat Stilling die Grundlage fur die moderne Ana- tomie des Ruckenmarks, der Oblongata, des Pons und des Cerebellum geschaffen. Am 25. Januar 1842 liefi Stilling bei einer Kalte von - 13° R. ein Stuck Rtickenmark frieren und machte dann mit dem Skalpell einen mafiig feinen Querschnitt durch dasselbe. „Als ich diesen, schreibt er, „unter das Mikroskop brachte und bei 15facher Linearver- grofierung die prachtigen Querfaserstrahlungen (zentralen Nervenbahnen) sah, da hatte ich eirten Schliissel gefunden, der die Gemacher zu dem wunderbaren Bau des Ruckenmarks offnete. Nicht froher hatte Archi- medes sein £vq7]7m gerufen, als ich bei jenem Anblick ausrief. Die Stillingsche Methode ist die auch jetzt noch am meisten ver- wendete zur Untersuchung des Zentralnervensystems. Sehr erleichtert 1) Schon vor Stilling fertigte man di'inne Schnitte des Zentralnervensystems an (z. B. Rolando 1824), aber die Rekonstruktion der Organe mittelst der Kombination ausgedehnter Schnittserien versucht zu haben, ist wesentlich Sti 1 lings Verdienst.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21271306_0016.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)